Sollen Bustouristen mehr Eintritt ins Schloß zahlen? Sollen zu gut besuchte Burgen an manchen Tagen einfach geschlossen werden? Fragen zum Thema „Tourismus und Denkmalschutz“, gestellt bei der Tagung einer Arbeitsgruppe des „Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz“.

Die Thesen waren hart, die Klagen laut, jedoch ob überhaupt Grund zum Lamentieren sei, wußte keiner der Beteiligten exakt zu sagen. Das Deutsche Nationalkomitee, vor zehn Jahren ins Leben gerufen, um das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 vorzubereiten, blieb auch nach diesem Termin in Funktion. Heute sorgt es durch Publikationen, Informationsreisen, Preisverleihungen und konkrete Vorschläge an den Gesetzgeber dafür, daß das Thema Denkmalschutz nicht vergessen wird.

Grundlage der Tagung über den Tourismus war ein Thesenpapier von Otto C. Carlsson, dem Vizepräsidenten des Deutschen Heimatbundes, in dem mit dem Tourismus hart ins Gericht gegangen wurde: Rigoros würde er Denkmäler vermarkten, ohne eine Gegenleistung zu erbringen; bestimmte „showpieces“ wären überlaufen; das persönliche Verhältnis der Touristen zu den Sehenswürdigkeiten sei unterentwickelt, daher die mangelnde Achtung und das rüde Benehmen.

Keiner aber vermochte genau auszumachen, wie bedrohlich der Schaden sei, den der Massentourismus anrichte. Ministerialrat Wolfgang Eberl vom Bayerischen Kultusministerium merkte lediglich an, daß die größeren Reparaturen an den vielbesuchten Königsschlössern nicht durch die Eintrittseinnahmen gedeckt werden könnten. Daß der Besucherstrom nicht spurlos durch die Schlösser rauscht, darauf verwies Eberl allerdings auch. Massenansturm bewirkt Klimaveränderung, Türschwellen werden abgenutzt der Erhaltung wenig förderlich ist auch die Sucht der Touristen, sich durch Autogramme zu verewigen und Souvenirs zu stehlen. Der Gruppe aber sei, so der Grundtenor, allemal noch der Vorzug vor Einzelreisenden zu geben. Dies war auch einer der Gründe, eine Zwangsabgabe für Bustouristen zu verwerfen. Man könne höchstens bei zu starker Nachfrage die Eintrittspreise erhöhen, um somit den Touristenstrom zu regulieren. Allerwichtigstes sei jedoch eine exakte Bestandsaufnahme der Schäden.

Was aber, war eine der weiteren Fragen, sei schlimmer: ein überlaufenes Kunstdenkmal oder ein verödetes? Manche gaben sich rigoros und wollten gar die schmausenden Staatsgäste aus den Prunkräumen der Schlösser vertreiben: „Bratendünste machen den Watteau kaputt.“ Denn, so Maria Heer, Sprecherin des Landschaftsverbandes Rheinland, „wir verwalten treuhänderisch für die nächsten Generationen“. Kunst, so meinte Eberl, könne jedoch durchaus Kulisse sein.

Weit schlimmer als ein überlaufenes Denkmal ist aber ein nicht besuchtes, darin waren sich alle einig. Viele historische Bauten brauchen geradezu Besucher, sonst könnten sie kaum aufrecht erhalten werden. Also muß man selbst die von allen gefürchteten Schulklassen in Kauf nehmen, die Museen und Schlösser als eine Art Abenteuerspielplatz betrachten.

Leider mangelt es an geeigneten Personen, den kindlichen Übermut in vernünftige Bahnen zu lenken. Museumspädagogen sind rar. Bliebe lediglich die Möglichkeit, die kleinen und auch die großen Kunstfreaks mit einem munter-didaktischen Faltblatt zu verständigem, soll heißen: zu nicht schädigendem Verhalten zu animieren.

Sind Ludwigs Bayernschlösser, auch überlaufen, so gibt es heute allenthalben noch genügend Kunstschätze, die erst gehoben werdenmüssen. Werden die einen zu sehr bedrängt, so führen die anderen ein Mauerblümchen-Dasein. Daher die Anregung, ähnlich wie in Skandinavien den Weg zu den „geheimen Schönheiten“ besser zu ebnen, also besser zu beschildern. Außerdem wurde auch die Idee aufgegriffen, topographische Karten zu entwickeln, die auf Kunstdenkmäler hinweisen. Der Vorschlag, „Kunstrallyes“ zu organisieren, fand nur verhaltenen Beifall. put