Bitte nur keine Sentimentalitäten! Da trauert das Handelsblatt, weil die nur alten Börsenhasen vertraute Finanzgesellschaft General Shopping liquidiert werden soll – „in ihren besten Jahren“. General Shopping? Der Firmensitz ist in Luxemburg, das Geschäft läuft über die Schweiz, die Aktien werden auch in der Bundesrepublik gehandelt und der fette Gewinn wird in Dollars errechnet: 14 Millionen im letzten Geschäftsjahr.

Nun stellte sich heraus, daß es ein durchaus einträgliches Geschäft wäre, General Shopping zu liquidieren und ihre diversen Beteiligungen im Einzelhandel feilzubieten. Freilich: Wer ist so unsentimental und gibt zu, daß er eine Firma liquidiert, nur weil es sich lohnt? Also erklärte die Schweizerische Kreditanstalt als Großaktionärin, General Shopping werde aufgelöst, weil im Einzelhandel keine Zukunft sei, die Margen schmal und schmäler würden.

Dabei vergaßen die Bankiers, daß General Shopping mit 15 Prozent ausgerechnet an einem der besten Unternehmen der Branche beteiligt ist – am Hamburger Otto-Versand. So waren denn die Hamburger nicht sonderlich angetan: Zwar „steht uns nicht zu, die Ausführungen der Kreditanstalt zu kommentieren“, doch „sind wir ein nachhaltig ertragsstarkes Unternehmen und werden es auch bleiben“. Einer sollte es eigentlich wissen: Oswald Aeppli, Präsident der Kreditanstalt und Aufsichtsrat vom Otto-Versand. Ro. W.