Dieser bayerische Beamtenzorn, heilig und gerecht, ist zu respektieren: "Leichtsinnige und verantwortungslose Burschen sind das." So zürnt Franz Kuhnert, Sachbereichsleiter "Verkehrswesen" beim Landratsamt Starnberg am gleichnamigen See. Aber wie der Bayer die Sache auch halst und wendet, er bekommt sie nicht in den behördlichen Verordnungsgriff. Es geht um jene Malefiz-Stehsegler – auch Surfer genannt – die sommernachts zu dunkler Stund’ mit unbeleuchteten Brettern über den See geistern und die private wie staatliche Schiffahrt ernsthaft gefährden. Jetzt, im Juli und August, weiß Franz Kühnert aus Erfahrung, werden die Geistersegler auf zwei Beinen wieder vermehrt auftreten – wenn die Abende so warm und die bayerischen Nächte so lau sind.

Weil das Landratsamt kein generelles Nacht-Steh-Segler-Verbot aussprechen will, andererseits aber die Sicherheit für andere Wassersportfreunde gewährleisten muß, zerbrachen sich bereits beim letztjährigen "Großen Seegespräch" Natur- und Tierschützer, Wasserwachtier und Behördenvertreter den Kopf, wie Surfbretter vorschriftsmäßig zu beleuchten seien. Denn daran besteht kein Zweifel: Surfer unterliegen wie klassische Segler und Motorbootfahrer den allgemeinen Wasser- und Schiffahrtsverordnungen. Und das heißt: Bei Nacht müssen die Fahrzeuge Positionslichter tragen.

Aber wie? Der Vorschlag: "Da muß man halt a Lamperl aufs Hirn n’aufstellen", erwies sich ebenso als unpraktikabel wie der Plan, die Surfsegel mit großen Nummern zu versehen. Pfeilgrad erkannte Landrat Rudolf Widmann, daß nachts die Nummern ja eh nicht zu lesen seien. Und so tapsen die Behörden bis heute im dunkeln, wie die nächtliche Surfszene am Starnberger See zu erhellen sei.

Appelle an die Vernunft? Ja mei, da kann Franz Kuhnert nur lachen. Wie sonst sei es zu erklären – außer mit der Unvernunft – daß bei Sturmwarnung durch Bayern 3 jedesmal eine Armada von Surfern aus München aufbreche, um sich in den aufgewühlten Starnberger See zu stürzen?

Es bleibt also nur die Obrigkeit übrig. "Wenn das so weitergeht", muß Franz Kuhnert drohen, "dann wird von oben was kommen." Dabei wären mit einem wasserdichten Lichterl am Mast alle Probleme gelöst. Aber dann hätten ja die nächtlichen Stehsegler keine nervenkitzelnde Gaudi mehr. Rainer Schauer