Die Aufwärtsbewegung auf dem deutschen Aktienmarkt hält – von gelegentlichen kurzen Pausen unterbrochen – seit August vergangenen Jahres an. Am Beginn der Hausse stand lediglich die Hoffnung auf eine „wirtschaftliche Wende“, auf eine Politik, die über eine Gewinnstärkung der Unternehmen die konjunkturelle Wiederbelebung herbeiführen sollte. Da damals schon die Zinssenkung im vollen Gange war, sprach einiges dafür, daß die Hausse kein Intermezzo bleiben würde.

Obwohl sich die deutschen Aktien-Indices seit Jahresbeginn um weitere 23 bis 26 Prozent erhöht haben, ist die Mehrzahl der Bankiers der festen Überzeugung, daß der Höhepunkt der Aktien-Hausse auch jetzt noch nicht erreicht sei. Inzwischen sei nämlich die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Wirtschaft spürbar geworden. Eine große Zahl namhafter deutscher Unternehmen werde für 1983 mit steigenden Erträgen aufwarten können, teilweise seien sogar Dividendensteigerungen angekündigt worden. Und 1984 würde der Konjunkturzug weiter an Fahrt gewinnen und der Börsentendenz in den letzten Monaten dieses Jahres neue Impulse geben. Das sind die Argumente der Haussiers.

Mit Interesse wird registriert, daß im Gegensatz zu den Vorjahren diesmal die Ertragsprognosen für die einzelnen Unternehmen zur Jahreshalbzeit heraufgesetzt worden sind. Bisher waren die Analysten jedesmal gezwungen gewesen, ihre am Jahresbeginn abgegebenen Gewinnschätzungen nach unten zu korrigieren.

Längere Konsolidierungsphasen haben in den vergangenen Monaten immer wieder für den Abbau nicht zu rechtfertigender Kursübertreibungen gesorgt. Daß es auch. Korrekturen in den Spitzenwerten gegeben hat, läßt sich der nebenstehenden Tabelle „Deutsche Aktien“ entnehmen.

Hier zeichnet sich ein Atmen der Kurse ab, das dem Markt nur guttun kann. Dabei können die Siemens-Aktien bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,7 keineswegs als überbewertet gelten, ebensowenig wie die Daimler-Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,5, das sich sogar auf 8,7 reduziert, falls sich die Gewinnschätzungen für 1983 (Ertrag je Aktie 65 Mark) als zutreffend erweisen sollten.

Gemessen am Branchen-Index erwiesen sich bisher die Auto-Aktien als Renner des Jahres. Neben Daimler erreichte BMW gerade zum Halbjahresultimo einen neuen Höchststand. Selbst die VW-Aktien konnten sich knapp unter ihrer Spitzenbewertung halten, obwohl das Volkswagenwerk vermutlich auch 1983 noch ohne Dividende bleiben wird. Inwieweit die Kuwaities mit ihren Käufen den VW-Kurs in den letzten Monaten nach oben getrieben haben, läßt sich nur schwer abschätzen.

Zu den Besonderheiten der Aufwärtsbewegung gehört, daß diesmal die Aktien der Elektroindustrie von Anfang an und in der Spitze dabei sind. Das verdanken sie in erster Linie dem Anstieg der Siemens-Aktien, aber auch der ungewöhnlichen Kurserholung der AEG-Aktie, die im ersten Halbjahr 1983 immerhin von 28,30 auf vorübergehend 81,30 Mark geklettert ist. K.W.