In der Ferienzeit muß der ADAC seinen Clubmitgliedern ins Ausland folgen: Notruf-Stationen in den Ferienländern helfen vor Ort.

Mehr als die Hälfte des reiselustigen Millionenheeres, das jährlich vor allem nach Süden rollt, benutzt das Auto als nach wie vor billigstes Familien-Transportmittel. Dafür sind diese Ferienreisenden bereit, kostbare Freizeit für kilometerlange Staus und Wartezeiten an den Grenzen zu opfern. An manchen dieser Streß-Reisetage dröhnen die Verkehrsdurchsagen aus dem Autoradio wie Kriegsberichterstattung. Die meisten Autotouristen sind dennoch davon überzeugt, daß sie selbst ohne Probleme die sonnigen Meeresstrände erreichen.

Doch was tun, wenn im Ausland das Vehikel plötzlich streikt? Wenn Diebe eine Besichtigungspause nutzen, den Wagen auszuräumen, Geld und Ausweise mitnehmen? Oder wenn man gar in einen Unfall verwickelt ist? Aufgeregtes Blättern im Wörterbuch nützt nicht viel, wenn man die Landessprache nicht versteht.

Daß man unter der Münchner Telephonnummer „Sechsmal die Zwo“ rund um die Uhr Hilfe bei Schwierigkeiten aller Art erwarten kann, wissen nicht nur die sieben Millionen ADAC-Mitglieder. Auch Nicht-Mitgliedern wird geholfen, allerdings haben sie entstehende Kosten zu bezahlen. „Hochsaison“ haben bald wieder die Auslands-Notrufstationen des Clubs in den meistbesuchten Mittelmeer-Reiseländern. 37 000 Hilferufe registrierten 1982 die neun Stützpunkte in Barcelona und Belgrad, Athen, Paris und Rom sowie die (von Juni bis Ende September besetzten) Sommer-Stationen Avignon, Padua, Thessaloniki und Valencia.

Hans-Dieter Paulus, Initiator und Leiter der Auslands-Notrufstationen, gab kürzlich in Avignon einen Einblick in die Arbeit der ADAC-Stützpunkte. So vermittelt zum Beispiel in Frankreich der Club in 38 Städten Adressen und Telephonnummern deutschsprechender Ärzte und Anwälte, die ihrerseits als Dolmetscher über Sprachbarrieren hinweghelfen und medizinisch bzw. juristisch beraten. Meistens sind es – so Paulus – Pannen, mit denen die Urlauber auf der Strecke bleiben. Die Notrufstationen, von perfekt deutsch sprechenden Einheimischen besetzt, kooperieren eng mit den Automobilclubs von Frankreich, Italien, Spanien, Jugoslawien und Griechenland. Sie schicken Werkstattwagen, besorgen bei Bedarf Ersatzteile, lassen abschleppen und passen auf, daß nicht unseriöse Werkstätten den Unglücksraben auch noch finanziell übers Ohr hauen. Unfälle rangieren auf Platz zwei der Notrufstatistik. 5000mal mußte hier der Automobil-Club Hilfe leisten: Verhandlungen mit Polizei und Behörden, Ärzten und Krankenhäusern, Entscheidungen über den Rücktransport der Verunglückten, deren Angehörigen und Mitfahrer sowie der Fahrzeuge.

Oft sind es auch völlig unerwartete Mißgeschicke, die einen fröhlichen Urlaub beenden können. So berichtet der ADAC von einem Pärchen, das in Griechenland nahtlos braun werden wollte. Die Polizei hatte kein Verständnis für die Nackedeis und verhaftete sie. Der Leiter des Athener Stützpunktes bekam die beiden gegen eine hohe Geldstrafe frei und lieh ihnen Geld, damit sie ihre Ferien fortsetzen konnten. Da gibt es auch hilflos verirrte Autofahrer, die ihr Hotel nicht finden können, oder Touristen, deren vorbestelltes Quartier sich als unbewohnbar erweist. Auch der alten Dame, die nach einer Besichtigungstour in Paris ihre Reisegesellschaft nicht mehr finden konnte, wurde geholfen. Aber selbst für die Pariser Notruf-Crew ungewöhnlich war der Fall eines deutschen Ehepaares: Nach einem Streit warf der Mann seine Angetraute aus dem Auto und brauste davon. Versorgt mit Ersatzausweis und Geld reiste die schlecht behandelte Frau nach Deutschland zurück.

Im Vordergrund – so Paulus – stehen natürlich Hilfsaktionen, die zur Behandlung von Krankheiten lebensnotwendig sind: So werden unter anderem in Zusammenarbeit mit internationalen Apotheken in München, Düsseldorf und Nürnberg innerhalb von 24 Stunden wichtige Medikamente wie Herzpräparate oder Diabetesmittel dem Urlauber nachgeflogen.

Heidi Ganser