Der „heiße Herbst“, den manche Tarifexperten demnächst heraufkommen sehen, wenn der Konflikt zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in der Frage der Arbeitszeitverkürzung ausgetragen werden muß – dieser heiße Herbst wird wohl auch in Bonn zu spüren sein. Denn es wird immer klarer: Mit der Unterstützung des Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff für seine Arbeitszeitverkürzungs-Pläne braucht Bundesarbeitsminister Norbert Blüm nicht zu rechnen.

Lambsdorff selbst hat sich mit dezidierten kritischen Stellungnahmen in der Öffentlichkeit bislang zwar zurückgehalten, obwohl seine eindeutig ablehnende Haltung gegenüber allen organisierten und gesetzlich geförderten Versuchen der Verkürzung der Lebens- oder auch der Wochenarbeitszeit unter Beobachtern bekannt ist.

Doch er hat es ja auch noch gar nicht nötig, sein Verdikt selbst auszusprechen – berufene Leute sprechen an seiner Stelle. So in diesen Tagen der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium, eine von Gesetzes wegen bestehende Gruppe von 28 Fachleuten, die sich derzeit unter dem Vorsitz des Erlanger Volkswirts Manfred Neumann treffen: Nach ihrer Ansicht würde eine wie auch immer geartete Verkürzung der Arbeitszeit „keine neuen Arbeitsplätze“ schaffen und „auf Dauer die Arbeitslosigkeit verschärfen“. Die Wissenschaftler bemühen ganz simple unddoch erinnernswerte Volks- und betriebswirtschaftliche Grundbegriffe, wenn sie darauf hinweisen: Selbst die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit ohne Lohnausgleich müßte die Stückkosten der Unternehmen allgemein erhöhen; eine Senkung der flexiblen Altersgrenze würde Staat und Rentenversicherung selbst dann belasten, wenn sie mit sogenannten versicherungsmathematischen Abschlägen verbunden wäre.

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Im Bundespostministerium wirbt man immer mal wieder stolz mit der Flexibilität, mit der sich die Post wandelnden Ansprüchen ihrer Kundschaft anpasse – etwa auch dann, wenn es gilt, Briefe und Pakete besonders schnell ins Ausland zu befördern, wie es einige private Unternehmen neuerdings anbieten. Die Praxis erlebte indes ein Kunde, der, von Bonn aus, eine Briefsendung spätestens am übernächsten Tag in New York zugestellt wissen wollte. Sein Postamt riet ihm, seinen Brief dem Schaffner des Lufthansa-Expreßzuges von Frankfurt nach Düsseldorf in die Hand zu drücken. Der werde die Sendung gern annehmen, so daß sie noch am gleichen Mittag von Düsseldorf nach New York geflogen werden könne. Doch der Zugschaffner lehnte ab: nicht zuständig.

Nächster Tip der Post: Der Kunde möge den Brief als Luftpost-Expreß-Sendung freimachen. Der Kunde nahm die Portokosten von über zehn Mark gutwillig hin, nachdem, ihm größte Eile versprochen war – er solcherart beförderte Brief erreichte jedoch seinen Adressaten erst nach zvölf Tagen.

Von dort kam dann ein Brief zurück, ebenfalls aufwendig frankiert – abermals erst nach zehn Tagen. Beim erneuten Anlauf teilt der Poststellenleiter gleich mit, daß eine Beförderung von Bonn nach New York binnen zwei Tagen unmöglich sei. Der Kunde, wieder in Zeitnot, wandte sich nun an ein privates Unternehmen: die D. H. L. INTERNATIONAL, eine amerikanische, doch mit wachsendem Erfolg auch in der Bundesrepublik tätige Firma – sie holt den Brief beim Kunden ab und gibt ihn schon am nächsten Morgen dem New Yorker Adressaten in die Hand. Ihr Service ist zwar teurer – aber er klappt.