ZEIT: Öl gibt es so viel wie nie zuvor, Herr Buddenberg, ist die Ölkrise damit zu Ende?

Buddenberg: Wir haben derzeit Öl weltweit im Überfluß, aber an den Folgen der letzten Ölpreisexplosion leidet die Weltwirtschaft noch immer: steigende Arbeitslosigkeit, ungleichgewichtige Zahlungsbilanzen und so gut wie kein Wirtschaftswachstum. Die gegenwärtige Preisstabilität wird zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Daten führen.

ZEIT: Und wie steht es zukünftig mit den Preisen für Mineralölprodukte, stagnieren sie, gehen sie eher nach oben oder gar nach unten?

Buddenberg: Die Situation des Überangebots müßte eigentlich eine Gewähr gegen einen starken Preisanstieg sein. In einem freien Markt wird es immer Preisschwankungen geben, doch in der Tendenz, so glaube ich, können die Verbraucher in der Bundesrepublik Deutschland auf absehsehbare Zeit mit stabilen Ölpreisen rechnen. Dies setzt allerdings voraus, daß neben der Stabilität der Opec-Preis keine Verteuerungen durch inländische Steuern und den Wechselkurs zwischen der Mark und dem Dollar entstehen.

ZEIT: Dann ist also letzten Endes die Politik „Weg vom Öl“ doch erfolgreich gewesen? Kann man deshalb jetzt – nach dem Erfolg – auf sie verzichten?

Buddenberg: Der Slogan „Weg vom Öl“ hat in der absoluten Aussage nie gegolten. Richtig war und ist, durch Einsparungen und sorgsamerem Umgang mit Energie die Rohölimporte aus den Opec-Ländern zu vermindern. Richtig ist ferner, daß Öl mittel- und längerfristig zum Verbrennen zu schade ist und besonders auf dem Wärmemarkt eine rückläufige Tendenz haben wird. In den Bereichen, in denen Öl noch auf lange Zeit nicht substituiert werden kann – vor allem im Straßenverkehr und in der Petrochemie –, wird der Energieträger Öl weiter seine führende Rolle behalten.

ZEIT: Aus Ihrer Branche hört man auch Stimmen, die jetzt einen Abbau der „Diskriminierung des Mineralöls“ fordern. Was ist damit gemeint und welche Ansicht vertreten Sie?