Von Winfried Scharlau

Der Mann war schon Legende, als ich vor zwanzig Jahren zum Fernsehen kam. Hans Walter Berg produzierte Dokumentarfilme in einer Weltgegend, die uns fremd, abenteuerlich erschien. Peter von Zahn hatte ihn 1958 auf die Idee gebracht, die Serie „Gesichter Asiens“ zu entwickeln, um den „Kollektivbegriff ,Asien‘ umzuwandeln in eine Vorstellung der vielen grundverschiedenen nationalen Charaktere der asiatischen Volker, ihrer geschichtlichen Schicksale und ihrer gegenwärtigen Probleme“.

„Lokesvara lächelt noch immer“, lautet der Titel eines Films über Kambodscha. Blumig und exotisch, etwas altmodisch nach heutigem Geschmack, aber ganz im Stil der späten 50er Jahre, klangen auch die anderen Titel: „Merderka ohne Katzenjammer“ (Malaya), „Der schlafende Buddha erwacht“ (Burma), „Der weiße Elefant und die Freiheit“ (Thailands, „Lotosinsel zwischen Buddha und Marx“ (Ceylon).

Ohne Rücksicht auf Didaktik und auf die Vermittlungsgesetze des Mediums Fernsehen wurden hier Informationen angehäuft, in Schachtelsätzen relativiert, erweitert und geschichtlich überhöht. Vieles ist bei vielen verlorengegangen. Aber alle hatten das Gefühl, gründlich belehrt und glänzend unterhalten worden zu sein.

Der Stil verriet, daß Berg vom Rundfunk kommt, aber auch, daß der Autor keinem anderen Gesetz folgt als dem eigenen: eine ungewöhnlich starke, kantige Persönlichkeit. Darin liegt der Erfolg des Autors Berg, seine Glaubwürdigkeit, ja Autorität.

Diesen Eindruck vermitteln auch seine Erinnerungen, die jetzt in Buchform vorliegen:

Hans Walter Berg: „Gesichter Asiens. Dreißig Jahre Augenzeuge der Geschichte“; Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg 1983; 352 S., DM 38,–.