Von Rudolf Herlt

Fast vier Wochen lang haben rund viertausend Delegierte aus 160 Ländern auf der Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen (Unctad VI) in Belgrad über Weltwirtschaft und Entwicklung der Dritten Welt geredet. Es war wie bei allen bisherigen Begegnungen zwischen Nord und Süd wieder ein Dialog der Gehörlosen. Die mit Maximalforderungen auftretenden Entwicklungsländer, die mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfenden Industrieländer und die sich zu nichts verpflichtenden Ostblockländer redeten aneinander vorbei.

Dieses Verhalten hat schon Tradition. Es zeigte wieder einmal, daß Mammutkonferenzen zur Lösung von Entwicklungsproblemen ungeeignet sind. Trotzdem drängen die Entwicklungsländer seit 1979 darauf, Entwicklungsfragen auf dem größten internationalen Forum, der UN-Vollversammlung, zu beraten. Daß es nicht schon längst geschehen ist, verdankt die Welt den Vereinigten Staaten, die praktisch ganz allein Widerstand leisten, seit die Bundesregierung aus Furcht vor außenpolitischer Isolierung in der Dritten Welt eine Kehrtwendung für richtig gehalten hat.

In Belgrad haben die in der Gruppe 77 zusammengeschlossenen Entwicklungsländer die Diskussionen auf ihre alte Forderung nach globalen Verhandlungen gelenkt. Nicht Einzelbereiche der Entwicklungspolitik sollen für sich beraten werden, sondern ein ganzes Bündel auf einmal. Den armen Ländern ging es dabei um die kritischen Probleme: Sicherung der Ernährung, Entwicklung der Landwirtschaft, Bevölkerungspolitik, Rohstoffe, Handel, Industrialisierung, Energieversorgung, die Funktionstüchtigkeit des internationalen Währungssystems und seiner Institutionen Weltbank und Internationaler Währungsfonds.

Die Entwicklungsländer meinen, daß sie auf all diesen Gebieten schlechter gestellt seien als die Industrieländer. Weltbank und Währungsfonds seien so organisiert, daß nur die Industrieländer aus ihnen Nutzen zögen. Eine Umfunktionierung zugunsten der Entwicklungsländer gelingt nach den Satzungen dieser Institution wegen der Stimmverhältnisse nicht. Deshalb auch wollen sie die Beratungen in die UN-Vollversammlung verlegen, wo jedes Land eine Stimme hat; dort könnten die Industrieländer immer überstimmt werden. Als Endziel der globalen Verhandlungen sehen die Dritte-Welt-Länder eine neue Weltwirtschaftsordnung heraufziehen, die den gegenseitigen Abhängigkeiten besser Rechnung trüge als das historisch gewachsene internationale Wirtschaftssystem.

Aber wiederum ging die Dritte Welt mit leeren Händen aus Belgrad nach Hause. Denn einmal war der Handlungsspielraum der Industrieländer wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation ausgesprochen klein. Hinzu kam, daß auch in Belgrad die Industrieländer nicht an einem Strang zogen. Erst in der Schlußphase der Konferenz, als die USA in die Isolierung zu geraten drohten, setzte sich das Solidaritätsbewußtsein wieder durch.

Der Fehlschlag von Belgrad wurde unter Tonnen von Konferenzpapieren, unter Myriaden von Worten verborgen. Nicht ein einziges drängendes Problem wurde einer Lösung nähergebracht: