Hervorragend

„Victor Jan 1938–1973“. Anlaß dieser Edition ist ein deprimierendes Jubiläum: Seit zehn Jahren herrscht in Chile der Militärdiktator Pinochet; vor zehn Jahren wurde, zusammen mit vielen anderen Aufrechten, der Regisseur, Schauspieler und Sänger Victor Jara von der Junta ermordet, nachdem man ihm, dem Gitarristen, die Hände gebrochen hatte. Daran erinnernd, hat der Verlag alle von ihm herausgebrachten Schallplatten mit Liedern Jaras – darunter auch die neueste mit dem Titel „El Verso Es Una Paloma“ (Der Vers ist eine Taube; pläne 88 324) – in einer Kassette zusammengefaßt: das Werk eines Volkssängers, für den die Poesie und die Politik, das Denken und das Träumen, das Erinnern und das Handeln keine Gegensätze waren, dessen Lyrik Sanftmut und Entschlossenheit, Kampfeswille und Schönheit vereint. Er singt mit einer ruhigen, sympathieweckenden Stimme; seine Gelassenheit ist voll Kraft. Kampf, so entnimmt man dem sorgfältig gemachten Begleitheft, habe für Victor Jara „größte künstlerische Ernsthaftigkeit“ bedeutet. (Verlag „pläne“ 88 334, 8 LP) Manfred Sack

George Jones: „Burn The Honky-Tonk Down“. Mit ihren proletarischen Elementen, den rasch auf den (moralischen oder kritischen) Punkt gebrachten Geschichten, der oft unverblümten Sentimentalität und den meist streng beachteten Genre-Gesetzmäßigkeiten ist die Country Music in Amerikas populärer Musik immer noch, was früher einmal der B-Picture im Hollywoodfilm war. Bei ihrer fast demonstrativen Kunstlosigkeit besaß sie genauso ihre Meister und großen Stilisten, unter denen wiederum George Jones seit fast dreißig Jahren einer der allergrößten ist. Nicht von ungefähr gilt dieser Sänger den Country-Music-Revoluzzern wie Guy Clark, Joe Ely oder Rodney Crowell als das größte Idol seit Hank Williams. Die vorliegende Auswahl aus seinen „Musicor“-Sessions der Jahre 1965 bis 1971 enthält etliche Klassiker wie „Feeling Single – Seeing Double“ und „Beneath Still Waters“, „A Good Year For The Roses“ und „Where Grass Won’t Grow“. Einige der besten Country-Sänger haben sie neuerdings in ihr Repertoire aufgenommen. In ihrem populistischen Pathos stehen George-Jones-Lieder wie „Small Time Laboring Man“ nicht weniger gegen alle „Reaganomics“ als etwa die letzte Platte eines Bruce Springsteen. Und seine besten Songs besitzen ohnehin längst die zeitlose Aktualität eines Jimmie Rodgers. (Rounder Records S. S. 15/Teldec Import Service)

Franz Schüler