Und alles ist sauber. Die Zimmer mögen noch so klein sein – die berühmte deutsche Reinlichkeit ist nicht kleinzukriegen.“

Amerikanische Journalisten auf einem Trip durch West Germany bringen Vorurteile mit. Und wenn sie gar von der Deutschen Zentrale für Tourismus eingeladen und vorprogrammiert wurden, dann haben sie es auch allemal leicht mit der Bestätigung ihrer Vorurteile. Dann werden sie auf alle deutschen Tugenden gestupst, dann baden sie in Romantik und „gemutlichkeit“. Edgar J. Bracco hat so eine Reise mitgemacht. Er beschreibt seine Eindrücke voller Dankbarkeit in mehreren amerikanischen Tageszeitungen: ein zigtausendmal multipliziertes Deutschland-Bild.

Vorneweg rüffelt Bracco seine Landsleute und ihren Banausen-Tourismus: „Sie fahren nach Berlin und werfen einen schnellen Blick über die Mauer ins kommunistische Ost-Deutschland. Sie laufen einmal durch den Kölner Dom, schauen sich rasch die spektakulären Alpen in Bayern an, und vielleicht bleibt zwischendurch noch ein Stündchen für die Bundeshauptstadt Bonn.“

„Eine touristische Tragödie“ ist es für Edgar Bracco, wenn der Trip über den Teich nicht mehr bringt, wenn seine Landsleute nicht das Erlebnis mit nach Hause nehmen, das Bracco sein Lebtag nicht vergessen wird: eine Dampferfahrt auf dem Rhein. Mit einem „town-hopping“ von Königswinter über Andernach und St. Goar nach Rüdesheim. „...hinter St. Goar links der Felsen der Loreley. Plötzlich hören Sie etwas: Undeutlich aus weiter Ferne erklingt ein Chor. Und während Sie noch nach der langhaarigen Schönheit Ausschau halten, wird Ihnen bewußt, daß die Musik aus dem Bordlautsprecher kommt...“

Inbegriff deutscher „gemutlichkeit“ (Bracco übersetzt das unübersetzbare Wort mit „camaraderie“) sind die Menschen, die am Ufer des Rheins freundlich winken, und man winkt zurück, und das alles gibt einem das Gefühl, nach langer Zeit heimzukommen.“

Die Reisejournalistin Hazel Geissler beschreibt deutsche Gemütlichkeit als „diese ganz besondere Atmosphäre behaglicher Freundlichkeit und Jovialität, die Deutsche in entspannten Stunden ausstrahlen“. Entspannt hat sie die Deutschen auf ihren Heimatfesten erlebt. Denn: „Wo immer Sie sich in Deutschland auch gerade aufhalten – irgendwo in der Nähe ist ganz gewiß ein Fest.“ Kirmes, Schützenfest, Weinfest, Bierfest, Karneval – die Deutschen in Wein- und Bierseligkeit, auch das ist nun in den Augen jener, die Hazel Geisslers Berichte gelesen haben, „gemutlichkeit“.

Der australische Journalist Ray Polkinghorne läßt im Advertiser von Sydney die Gemütlichkeit weg. „... es ist das bestgenänrte, bestgekleidete, wohlhabendste Volk in Europa. Die Bars und Restaurants sind jeden Abend überfüllt, und die Straßen sind verstopft mit den neuesten und teuersten Autos. Man kann sagen, daß Deutschland wieder auf dem Wege ist, ‚über alles‘ zu werden.“