Das Schwurgerichtsurteil über den Münchener Polizisten, der einen vierzehnjährigen Jungen erschoß, gibt nicht allein wegen seiner erstaunlichen Milde – sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung – Anlaß zur Kritik, Die Richter zogen sich, gleichsam um das Ergebnis zu rechtfertigen, auf einen Straftatbestand fahrlässige statt der angeklagten vorsätzlichen Tötung – zurück, wie er der Tat beim besten Willen nicht gerecht wird: Das Delikt der fahrlässigen Tötung hat seinen Geltungsbereich bei Verkehrs- und allenfalls noch Sport- oder Jagdunfällen. Wenn aber ein Mensch mit der Pistole auf einen anderen Menschen schießt, um ihn zu treffen, kann dies nicht fahrlässig im Verständnis von Leichtsinn sein. Der Schütze handelt vorsätzlich, weil er weiß, daß er mit seinem Schuß töten kann.

Dafür gibt es einen Rechtfertigungsgrund: Notwehr. Er lag nicht vor, sonst hätte der Beamte freigesprochen werden müssen. Oder einen Schuldmilderungsgrund: Die irrtümlich angenommene Notwehrsituation. Sie hat der Angeklagte selbst bestritten. Das Gericht hielt sie ihm gleichwohl zugute.

Bleibt zu fragen: Wurde im Verfahren gegen den Polizeiobermeister Konzack juristische Haarspalterei um ihrer selbst willen betrieben oder wieder einmal für die höheren Zwecke des Obrigkeitsstaates, wie es der Schwurgerichtsvorsitzende in der mündlichen Urteilsbegründung anklingen ließ: „Die Entscheidung darf nicht dazu führen, daß sich Polizisten bei vergleichbaren Einsätzen künftig übertrieben zurückhalten.“ H. Sch.