Präsident Efraín Rios Montt kämpft nach wirtschaftlichen und politischen Rückschlägen um den Bestand seines Regimes.

Die Verhängung des Ausnahmezustandes in Guatemala macht deutlich, wie angeschlagen die Position von Präsident Rios Montt ist.

Seit Jahresbeginn befindet sich der Stern des Generals im Sinken. Seine wenig glückliche Hand in Wirtschaftsfragen, die Erhöhung der Mehrwertsteuer von drei auf zehn Prozent und weitere einschneidende Steuergesetze haben dazu geführt, daß Arme wie Begüterte den Präsidenten ablehnen. Die Pluspunkte, die er mit der rücksichtslosen Bekämpfung der Guerilla bei der weißen Mittel- und Oberschicht sammeln konnte, sind längst aufgebraucht.

Die Parteien des Landes fordern seit Monaten, sofort freie Wahlen durchzuführen, um der nationalen Talfahrt Einhalt zu gebieten. Gleichzeitig hält sich die Angst vor möglichen Wahlschiebungen.

Auch die Kritik in den Reihen der Streitkräfte wächst. Als deutlichstes Zeichen gelten angeblich fünf gescheiterte Putschversuche gegen Montt. Das Ex-Junta-Mitglied aus den Anfangstagen des Regimes, Oberst Francisco Gordillo, drängt auf eine Abdankung des selbsternannten Retters Guatemalas. Er drohte gar, in den Untergrund zu gehen, sollte Rios Montt nicht zurücktreten.

Die missionarisch-religiöse Selbstherrlichkeit, die dem Präsidenten schon den Beinamen „Ajatollah“ einbrachte, hat die katholischen Bischöfe in Rage versetzt. Abgesehen von den weltweit kritisierten Erschießungen am Vortage des Papstbesuches im März wirft ihm die Bischofskonferenz vor, sein Amt zur Werbung für seine Sekte zu mißbrauchen.

Zudem verstärken sich die Anzeichen, daß illegale Verhaftungen weiter zunehmen und auch die Todeskomandos von rechts wie links regere Aktivitäten entwickeln.

Detlef von Appunn