Frankfurt: ‚Jügen-Ponto-Stiftung“

Daß nach dem Terrroristen-Mord an Jürgen Ponto, dem Bankier der Dresdner Bank, 1977 eine Stiftung für Künstler gegründet wurde, geht auf den Wunsch von Ignes Ponto, der Witwe, einer Pianistin, zurück. Von etwa drei Millionen Mark Kapital (plus Zinsen) sind eine Million Mark vergeben worden. Literaten erhielten 40 000 Mark, junge Künstler eine Starthilfe von 80 000 Mark. Talentierte Architekten erhielten 185 000 Mark. Schul- und Kammermusik wurden mit 500 000 Mark gefördert. Angesichts der Tatsache, daß Freiherr Bernd von Loeffelholz den Verwaltungsaufwand mit 74 000 Mark als „sehr gering“ bezeichnet, fielen die Stipendien für Schriftsteller und Bildende Künstler doch auch nicht üppig aus. Trotzdem erregte die Stiftung schon im dritten Jahr Aufsehen, als Wolfgang Laib den Hauptpreis für seine Skulpturen aus Glas und Blütenstaub erhielt. Die jetzige Schau mit Zeichnungen von zwei Dutzend Künstlern zeigt statt dessen Wankelmut. Etwa der Hälfte der Zeichnungen fehlen Witz und aktuelle Frische, man spürt akademischen Trott. Für „lakonische Bildsprache“ gab die Jury den ersten Preis (20 000 Mark) an Horst Münch. Angeregt durch TV und Musik entstanden seine Blätter in New Yorker Hotels: Haut und Maschine, Raster und Triebstruktur, Mann und Frau als Schalentiere in Hick-Hack verstrickt. Karl Ruhrberg, der Direktor des Museums Ludwig in Köln, hatte ihn vorgeschlagen. Der 2. Preis (10 000 Mark) wurde zwischen Herbert Egl (Stuttgart) und Gerald Domenig (Frankfurt) geteilt. Domenig, der 1978 den Preis des BDI erhielt und mit Thomas Bayrle zusammengearbeitet hat, ist auch Photograph. Leere, Verzweiflung und Agonie werden schier endlos durchmessen, bis neue Formen erspürt sind . Joachim Peeck (Berlin) und dem Thailänder Somboon Hormtiengtong (München) hätte man mehr Beachtung gewünscht. In „Macondo“ entfaltet der erste „Sehnsucht nach Zukunft“. Man sieht Horizonte, Kosmisches, Ufos, davor erstreckt sich die Berliner Mauer, darunter wabert ein böser Dreck, gespickt mit Besatzer-Fahnen. Ein paar Schritte weiter Selbstspott: „Wenn der Künstler ein Werk vollbracht hat, gackert er wie ein Huhn.“ Dem gegenwärtig „Unbewußten in der Kunst“ arbeitet Hormtiengtong mit kräftiger Disziplin entgegen: Ein Gerüst aus systematischen Linien kann die Wellen von Tausenden von Graphit-Strichen nicht zügeln. (Kunstverein bis zum 24. Juli, Katalog 18 Mark) Gislind Nabakowski

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Irische Kunst aus drei Jahrtausenden – Thesaurus Hiberniae“ (Staatliche Museen bis 23. 10., Katalog 20 Mark)

Braunschweig: „Bilder vom Krieg – Photoausstellung“ (Städtisches Museum bis 24. 7., Katalog 30 Mark)

Düsseldorf: „Der Hang zum Gesamtkunstwerk“ (Städtische Kunsthalle bis 10. 7., Katalog 45 Mark)

Frankfurt: „Julio Gonzalez – Seine Skulpturen, Zeichnungen und Bilder“ (Städelsches Kunstinstitut bis 14. 8., Katalog 27 Mark)