In der Börse hat die Jagd auf Novitäten groteske Formen angenommen. Die Ende Juni zum Preis von 200 Mark je 50-Mark-Stück zur Zeichnung angebotenen Aktien der SM Software AG, München, wurden Anfang dieser Woche zum Kurs von 570 Mark in den Börsenhandel eingeführt. Inzwischen liegt er noch höher.

Die Gesellschaft gilt als eines der führenden Software-Häuser für Mikrocomputer in der Bundesrepublik. Die Kursexplosion ist in erster Linie eine Folge der Knappheit. Denn nur 250 000 Mark des 750 000 Mark betragenden Aktienkapitals standen zum Verkauf.

Die Zeichner der neuen Aktien störten sich nicht daran, daß ihnen erst für 1984 eine – dann allerdings saftige Dividende von 15 Mark – in Aussicht gestellt worden ist.

Für „Wagnis-Aktien“ haben die Börsianer heute ein offenes Ohr. Das schlägt sich jetzt schon in der erheblichen Nachfrage nach den 11,34 Millionen Mark Vorzugsaktien der Tewidata AG für technisch-wissenschaftliche Datenverarbeitung, München, nieder, die offiziell erst Mitte Juli zum Verkauf gestellt werden sollen.

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Zu den lieben Gewohnheiten der deutschen Chemieindustrie gehört, stets erst dann etwas für den eigenen Ruf zu tun, wenn der Leumund schon lädiert ist. So war es beim Umweltschutz, so ist es jetzt auch beim Thema Biotechnik.

Biologische Verfahren in der Chemie durch den Einsatz genetisch manipulierter Mikroben stehen am Anfang eines spektakulären Innovationsschubs. Doch aus Furcht vor öffentlicher Kritik an möglichen Umwelt- und Gesundheitsrisiken der Genmanipulation arbeitete die deutsche Chemie bislang unter striktem Schweigen an diesen Verfahren. Beim Publikum setzte sich deshalb der Eindruck fest, daß die deutsche Industrie diese Zukunftstechnologie verschlafe.