Was sich die Intendanten der ARD, Gralshüter unbestimmter Teleweisheiten, kürzlich in Saarbrücken wieder einmal abgekniffen haben, hätten sich nicht einmal die mächtigen Bosse von Gruner + Jahr getraut. Die haben, wenn auch im Crash-Kurs-Verfahren und unter Druck ihre Lektion gelernt: Mitwirkung der Redakteure in Personalentscheidungen ist für sie kein leeres Wort mehr.

Die Intendanten dagegen, der Hesse enthielt sich der Stimme, pfiffen auf Mitbestimmung und verlängerten gegen den erklärten Willen eines großen Teils der betroffenen Redaktion den Vertrag von Edmund Gruber als Chefredakteur von ARD-Aktuell um zwei Jahre. Gleichzeitig holten sie, ebenfalls ohne die Redaktion zu konsultieren, den Korrespondenten Heiko Engelkes aus Paris nach Hamburg und machten ihn zum zweiten Chefredakteur und gleichzeitig zum Stellvertreter Grubers.

Die Mehrzahl der Redakteure, die mit den beiden Chefs zusammen in Sachen Tagesschau und Tagesthemen zusammenarbeiten müssen, schäumte. Mit Gruber haben sie nicht viel im Sinn.

Seit über zwei Jahren arbeiten sie jetzt mit ihm, und kaum ein Journalist, sieht man von den ehemaligen stern-Chefs Koch und Schmidt ab, kam so oft ins Gerede wie er. Gruber, einst als Charming-Eddy belächelt und geachtet, war nicht in der Lage, Ruhe in seinen Nachrichtenladen zu bringen. Aus Angst vor falschen Zungenschlägen seiner Redakteure blockte er jede Initiative ab, stellte sich nicht hinter seine Leute, verkroch sich in sein Büro, fühlte sich verfolgt, schlug um sich, und rettete sich in die Arme christlich-sozialer Politiker, die ihn für erlittene Unbill trösteten und versprachen, auf die Intendanten einzuwirken, ihn ja weiter Chef spielen zu lassen.

Die CDU weiß schließlich auch, was sie an ihm hat. Er garantiert ihnen die Wende. Die Angst, seinen Gönnern nicht zu gefallen, sitzt Eddy im Nacken.

Die Intendanten beschlossen zudem, von Oktober an die Redaktionen Tagesschau und Tagesthemen zusammenzulegen. Dem Zuschauer mag gleichgültig sein, wie interne Organisationsfragen gelöst werden, wenn nur das Produkt in Ordnung ist. Doch was auch ihn hier irritieren muß: Mitbestimmung ist in der ARD ein leerer Wahn. Die Redakteure von Tagesschau und Tagesthemen, deren Arbeit sich fundamental unterscheidet: jene stellen Nachrichten zusammen, während diese Nachricht mit Hintergrund versehen sollen, wurden nicht gefragt.

Es ist schon aufregend zu beobachten mit welcher Chuzpe die ARD-Oberen nach Gutsherrenart Entscheidungen fällen. Das sollte sich ein freier Unternehmer mal leisten. Die Gewerkschaft hätte er auf dem Hals – und die Journalisten des Fernsehens und des Hörfunks doch wohl auch.

Telebiss wird nicht umhin kommen, seine Arbeit von jetzt an wieder regelmäßig zu betreiben. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten treiben es zu bunt. Telebiss