Beim Beginn der griechischen EG-Präsidentschaft besteht wenig Anlaß zu freudiger Erwartung. Seit der Aufnahme in die Gemeinschaft vor zweieinhalb Jahren hat sich Athen so oft als störrischer und eigenbrödlerischer Partner erwiesen, daß sich die Frage aufdrängt: Werden die Griechen nun, da sie für ein halbes Jahr die Tagesordnung des Zehner-Clubs bestellen, die europäische Entwicklung nicht noch weiter bremsen, statt sie voranzutreiben?

Um solche Sorgen zu zerstreuen, hat Ministerpräsident Papandreou zumindest eines klar gemacht: Allen Einwänden der griechischen Linken und auch gelegentlichen eigenen Bedenken zum Trotz will er fest zur Gemeinschaft stehen. Realitätssinn siegt über ungestümes Nationalbewußtsein. So läßt sich das Bekenntnis des Regierungschefs zu Europa deuten, dessen Land nun erstmals seit seiner Wiedergründung als moderner Staat vor über 150 Jahren wieder eine große Rolle in Europa spielt, und das Nettobeträge aus den Brüsseler Kassen erhält, die die Hälfte seines Außenhandelsdefizits wettmachen.

Doch Papandreous Treueschwur garantiert noch keinen Erfolg der griechischen Präsidentschaft. Dagegen spricht schon Athens Prioritätenwechsel. Der Stuttgarter Gipfel hatte die Parole ausgegeben: Erst sparen – also die EG-Finanzstruktur und vor allem den Agrarmarkt reformieren dann die europäischen Kassen aufstocken; die Griechen wollen sofort mehr Geld für die Gemeinschaft (und so natürlich auch für sich selber). Damit wird das mühsam geschnürte Verhandlungspaket zur Lösung der drängendsten Probleme gefährdet. Denn wenn erst zusätzliche Mittel auf die Gemeinschaftskonten fließen, entfällt für viele Mitgliedsländer der Zwang zum Kompromiß. Für die Reform der Gemeinschaft aber hieße das: verschoben ad calendas graecas. D. B.