Sie stahlen ihm die Aktentaschen mit dem fast fertigen Buchmanuskript aus dem Auto, nachdem sie ihn zuvor narkotisiert hatten; sie entwendeten wissenschaftliche Papiere und Tagebücher aus seiner Wohnung und eines Tages auch das noch einmal neugeschriebene Buchmanuskript. Kein Tier im Käfig ist dem Menschen so hilflos preisgegeben wie Andrej Sacharow den Geheimpolizisten, die Tag und Nacht vor seiner Tür in Gorki und vor den Fenstern stehen, die einen Schlüssel zur Wohnung haben und dort alles durchstöbern, wenn er und seine Frau ausgegangen sind. Wenn sie wiederkommen, fehlen dann gewöhnlich diverse Papiere,

Seit drei Jahren vegetiert das Ehepaar unter diesem psychischen Terror. Beide sind krank, aber der Antrag auf Aufnahme in das Krankenhaus der Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied der Nobelpreisträger Sacharow noch immer ist, wurde nie beantwortet. Statt dessen sind jetzt vier seiner ehemaligen Kollegen in einem Artikel, der in der Iswestija erschien, über ihn hergefallen: Sie behaupten, in dem Brief, den Sacharow an einen amerikanischen Kollegen schrieb – unsere Leser konnten ihn in der ZEIT lesen –, habe er Landesverrat begangen, worauf nach sowjetischem Recht die Todesstrafe steht. Offenbar wird es als strafwürdig angesehen, wenn ein Sowjetbürger sich Gedanken über die Zukunft der Menschheit macht, anstatt über nationale Interessen nachzudenken.

Für diejenigen unter uns, die sich darüber ärgern, wenn die Russen in Amerika als Ausgeburt des Bösen in der Welt bezeichnet werden, ist es angesichts der Behandlung Sacharows schwierig, diesem primitiven Antikommunismus zu widersprechen. Wieviel einfacher wäre dies, wenn die Regierung sich entschließen könnte, das Ehepaar endlich ausreisen zu lassen. Dff.