Was sich ein Fernsehfilm-Produzent so vorstellt

Als ich nach Hause komme, finde ich auf meinem schreibtdisch einen Zettel. Eine Fernsehproduktionsfirma habe angerufen, ob ich einen Gnom besorgen könne, ich solle rückrufen.

Mein erster Gedanke ist, da will mich jemand auf den Arm nehmen. Denn Gnome sind – laut Lexikon – unheimliche Gestalten, zwerghafte Erdgeister, "mit denen Volksglaube und Volksmärchen Wald, Berg und Wasser bevölkern".

Ich rufe die angegebene Nummer an. Es meldet sich die Firma Eikon, bekannt durch Fernsehproduktion für das ZDF (zum Beispiel die Serie über einen geistig Behinderten: "Unser Walter").

Irgend jemand habe bei mir angerufen, sage ich, und einen Gnom bestellt. "Das ist richtig", meint die Dame am Telephon, "wir sind auf der Suche nach einem Gnom." Unvermittelt fügt sie hinzu: "Sind Sie ein Gnom?"

Ich bedaure: "Ich bin kein Gnom, nein." "Ah, Sie sind keiner", meint sie, "aber Sie hätten einen, oder wie?" Ich erkläre, daß ich nur weisungsgemäß zurückrufe und werde mit einem – der Stimme nach – jungen Mann verbunden.

"Ich habe Sie angerufen", beginnt der junge Mann, räuspert sich laut und bemerkt: "Entschuldigen Sie, ich habe gerade einen Frosch im Hals." Nun, wer einen Gnom bestellt, kann schließlich auch mal einen Frosch im Hals haben.