Mit ausgefallenen Ideen kämpfen neue Fluglinien um Passagiere

Von Jes Rau

Von Glamour keine Spur. Hier weht kein Duft der großen weiten Welt: Die schäbigen Räumlichkeiten im Nord-Terminal des internationalen Flughafens von Newark in New Jersey, wo die People Express Airline ihre Fluggäste abfertigt, erinnert mehr an eine Greyhound-Bus-Station als an eine Flughafen-Schalterhalle. Die meisten Passagiere schleppen ihre Koffer selbst bis zum Flugzeug, um die drei Dollar pro Gepäckstück zu sparen, die die Airline für den „Extra-Service“ der Gepäckabfertigung berechnet. Auch an Bord gibt es nichts umsonst. Wer zu speisen wünscht, wen es nach einem Gin-Tonic oder nach Erdnüssen zum Knuspern gelüstet, der muß entsprechend draufzahlen. Auf kürzeren Strecken verzichten die meisten Passagiere deshalb auf das Beköstigungsritual, wie es die traditionellen Fluggesellschaften zelebrieren.

Statt dessen freuen sich die Reisenden darüber, so außerordentlich billig durch die Luft chauffiert zu werden. Der Flug von Newark zu den Niagara-Fällen beispielsweise kostet am Wochenende nur 23 Dollar. Wer dem Nieselregen von Syracuse entkommen will, für den diese Stadt an der kanadischen Grenze bekannt ist, dem bietet People Express die Sonne von West Palm Beach im südlichen Florida für nur 69 oder 99 Dollar, je nach Saison. Seit kurzem fliegt People Express auch London an für volkstümliche 149 Dollar.

Diese Tarife sind auf Leute zugeschnitten, die jeden Dollar zweimal umdrehen: Studenten, Rentner, ganze Familien rücken mit Sack und Pack auf dem Flughafen von Newark an, der nahe an Manhattan gelegen und vom Busbahnhof bequem zu erreichen ist.

Komfort für die Elite

Auf ein ganz anderes Publikum hat es die Air One abgesehen: Auf Leute, die auch bei sommerlichem Dampfbadwetter im korrekten Anzug herumlaufen, die während des Fluges ins Tonband diktieren oder Akten wälzen – Geschäftsleute also, die von Berufe wegen oft unterwegs sind und schon deswegen auf etwas Komfort Wert legen. Ihnen bietet Air One extrabreite, bequeme Ledersessel, ein exquisites Essen und den Anblick ausgesucht hübscher Stewardessen, die den Passagieren tief in die Augen blicken, wenn sie fragen: Mächten Sie noch einen Drink?