Der Konstanzer Südkurier will Holtzbrinck aus dem Hause drängen

Zu berichten ist von Unternehmern, die versuchten, die Zukunft in den Griff zu bekommen; davon, daß diese Zukunft bald begann und nun ihrerseits Zugriff nahm; und davon, daß die dermaßen Ergriffenen die selbstgewählte Zukunft nicht mehr wollen und versuchen, sie mit Hilfe der Justiz zu verscheuchen. Was schon immer ein schwieriges Unterfangen war.

Die Rollenverteilung: Die Unternehmer spielen die Eigentümer der Konstanzer Südkurier-Gruppe, welche sich im wesentlichen der Herstellung eben des Südkurier widmet, einer regionalen Tageszeitung mit einer Auflage von rund 140 000 Exemplaren. Den Zukunfts-Part gibt die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, ein Medienkonzern mit 5500 Leuten und 1,3 Milliarden Mark Umsatz.

Wer nun wen in welche Rolle gedrängt hat, ist nicht mehr auszumachen, strittig, wie fast alles andere. Jedenfalls hatten die Südkurier-Eigner Mitte der siebziger Jahre den Drang verspürt, ihr schon damals florierendes Unternehmen auf lange Zukunft zu sichern. Da schien – sich selbst aufgedrängt habend oder gebeten – Holtzbrinck die richtige Adresse. In zwei insgesamt über mehrere Jahre laufenden Verhandlungsphasen kam man sich näher: Holtzbrinck übernahm, 1979, ein Viertel der Südkurier-Anteile und erhielt die Option, diese Anteilnahme am 1. Januar dieses Jahres in die Mehrheit (knapp 53 Prozent) umzuwandeln.

Die Zukunft hatte nun einen Namen, doch kaum hatte sie begonnen, da legte sie, von Konstanz aus betrachtet, ihre rosige Gestalt auch schon ab. Wie das kam, bleibt noch dunkel, weil die Beteiligten, auch hier einem wohlbekannten Drehbuch folgend, nicht in schwebende Verfahren eingreifen wollten.

Seit ein oder zwei Jahren nämlich, nicht einmal dies wird klar gesagt, begegnen sich die zu Kontrahenten gewordenen Partner vor diversen Gerichten mit dem Ziel, den Vertrag von 1979 durchzusetzen (Holtzbrinck), respektive denselben für ungültig erklären zu lassen und auch das schon vergebene Viertel zurückzuholen (Südkurier).

Brigitte Weyl, Geschäftsführerin des Konstanzer Blattes und Repräsentantin der stärksten Eignerfamilie, sagt: „Unerwartete Erfahrungen haben leider gezeigt, daß Holtzbrinck nicht geeignet ist, einen mittelständischen Betrieb nach dessen Eigenart zu fördern.“ Die Stuttgarter Verlagsgruppe wiederum hat sich die Beteiligung an Tageszeitung gen dieser Art förmlich zum Unternehmensziel gemacht. Da wäre natürlich ein Abrücken vom Südkurier ein schlechter Einstieg, eine Vermutung, die Peter Block, Holtzbrincks Finanzchef, begeistert bestätigt. Er hält das Prozessieren des Südkurier für „ein juristisches Spielchen auf Zeit“ und teilt fröhlich mit, „die erstinstanzlichen Urteile sehen ganz prima für uns aus“. Außerdem habe das Kartellamt seinen Segen längst gegeben.