Von Aloys Behler

König Arthur, alias Artus, Vorsitzender der Tafelrunde, war nicht zimperlich im Umgang mit seinen Mitmenschen. Als ihm ein gewisser Huail in einer Herzensangelegenheit als Nebenbuhler in die Quere kam, ließ er dessen Haupt kurzerhand über einen Kalksteinblock rollen. Was man vom unglückseligen Huail nicht sagen kann, gilt – soweit der Legende zu trauen ist – für den Kalkstein: Er blieb der Nachwelt erhalten.

In Ruthin, einem mittelalterlichen nordwalisischen Marktflecken im grünen Tal des Clywd, ist dieses frühe Beweisstück eifersüchtiger Durchschlagskraft deponiert. Huail’s Stone, Maen Huail in der Sprache der Väter, ist eine Attraktion auf dem von malerischem Fachwerk umstellten St. Peter Square inmitten des Städtchens; vor Exmewe Hall, gebaut um 1500, heute Herberge einer Filiale von Barclay’s Bank, steht König Arthurs Kalkstein in durchaus nicht beziehungsloser Nachbarschaft zu einer neuzeitlichen Stätte gelegentlichen Einsatzes von Kopf und Kragen.

Es ist nicht das einzige Zeugnis für einstmals rauhe Sitten an diesem historischen Ort. Nur ein paar Schritte entfernt vom blutgetränkten Stein reckt The Old Court House, das alte Gerichtsgebäude aus dem Jahre 1401, in scheinbarer Unschuld den schmucken Giebel.. Nicht auf den ersten Blick sichtbar, aber bei näherem Hinsehen deutlich, lugt aus der originalgetreu restaurierten Fassade der schäbige Rest eines Galgens.

Dies nun hätte dem Fremden in Ruthin wahrlich Warnung sein müssen. Doch er verstand die Zeichen nicht zu deuten, und so lief er, in der Gruppe erfahrener Reisender von einem trügerischen Gefühl der Sicherheit geleitet, seinem Schicksal einfach in die Arme.

Es kann dem Leser nicht verborgen bleiben, daß dies dem Berichterstatter widerfuhr. Ich gebe also zu, sogar mit einer gewissen frohen Erwartung dem Ereignis entgegengesehen zu haben, das da für den Abend angekündigt war und das ein Mordsvergnügen zu werden versprach: ein mediaeval banquet auf Ruthin Castle, ein Schmaus nach Art der alten Rittersleut’.

Zu essen und zu trinken von hölzernen Tellern und aus zinnernen Krügen, nach Herzenslust und auch mit den Händen, bei Harfenmusik und Kerzenschein, verwöhnt von den Damen des Hofes – wer hätte sich das nicht immer schon mal gewünscht? Und dazu den Vorzug, den Abend zu verbringen "in the Company of the baron and baroness".?