In der Bundesrepublik waren im Juni immer noch über 2,1 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote sank zwar im Vergleich zum Mai dieses Jahres um 0,1 Prozent, doch diese schwache Verbesserung war nur saisonal bedingt. Aussagekräftiger ist daher ein Vergleich mit der Situation des Vorjahres: Dabei zeigt sich, daß seit Juni 1982 die Zahl der Arbeitslosen um 29 Prozent gestiegen ist, während die Zahl der offenen Stellen um rund 32 000 zurückging. Im vergangenen Monat waren insgesamt 85 621 unbesetzte Arbeitsplätze in den Karteien der Arbeitsämter vermerkt. Als einzigen Erfolg teilt die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit in ihrem neuesten Bericht mit, daß im ersten Halbjahr 1983 achtzig Prozent aller gemeldeten offenen Stellen mit einem vom Amt vermittelten Arbeitslosen besetzt werden konnte.

Auch die Wirtschaftstätigkeit in der Bundesrepublik scheint trotz aller Meldungen über den Aufschwung wieder zu stagnieren. Nach Angaben des Bunaeswirtschaftsministeriums hat sich die industrielle Produktion insgesamt von April auf Mai nicht mehr erhöht. Nur die Bautätigkeit stieg um zwei Prozent. Im Vergleich zu 1982 liegt damit die industrielle Produktion in der Bundesrepublik in diesem Jahr für die Monate April und Mai um drei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders stark – um fünf Prozent – sank die Produktion in dieser Vergleichsperiode in der Nahrungs- und Genußmittelindustrie. In der Investitionsgüterbranche ging sie um 4,5 Prozent, bei den Konsumgütern um ein Prozent zurück.

Die schlechte Auftrags läge in der Industrie wirkt sich nicht nur auf die Arbeitslosenzahlen aus. Sie beeinflußt auch die Situation der Beschäftigten, die im vergangenen Jahr vermehrt unfreiwillige Kürzungen ihrer Arbeitszeit hinnehmen mußten. Nach Berechnungen des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie hat ein Industriearbeiter in der Bundesrepublik 1982 nur noch durchschnittlich 31,9 Stunden in der Woche gearbeitet. Das sind 2,2 Prozent weniger als 1980. Der Verband nennt Kurzarbeit, Abbau von Überstunden und verlängerte Urlaubszeiten als Ursachen. Nach seinen Erhebungen gab es 1982 für einen Beschäftigten in der Ernährungsindustrie mit durchschnittlich 1863 Stunden im Jahr noch am meisten Arbeit, während ein Arbeiter in der Textilindustrie nur noch auf 1508 Stunden kam....