Explosive Neuerungen

Die nordirische Terrororganisation IRA kann britischen Polizeiberichten zufolge dank billiger mikroelektronischer Bauteile mit größter Präzision ihre Bomben schon Monate vor dem geplanten Zeitpunkt der Detonation programmieren und deponieren. Darum sorgen sich die Londoner Anti-Terror-Einheiten jetzt schon um die Feierlichkeiten zum Remembrance Sunday im November, an denen die königliche Familie, Margaret Thatcher, ihr Kabinett und viel Volk teilnehmen werden. Handwerker oder als solche getarnte IRA-Leute könnten schon jetzt eine computergesteuerte Bombe unauffällig plazieren. Die britische Regierung muß also entgegen ihrer Sparpolitik tief in die Tasche greifen für hochentwickelte elektronische Suchgeräte, die die Armee für Nordirland entwickelt hat und die jetzt auch der Londoner Polizei beim Aufspüren bereits gelegter Bomben behilflich sein sollen.

Bedrohliche Gnade

Isabel Perón, 1976 gestürzte argentinische Präsidentin, macht wieder Politik – diesmal aber unfreiwillig. Die Militärregierung in Buenos Aires denkt laut darüber nach, der in Madrid lebenden Peronistin einen indulto, eine Art Straferlaß, zu gewähren. Sie könnte dann bei den Wahlen am 30. Oktober als Präsidentschaftskandidatin antreten. Die Peronisten sind entsetzt, keiner will sie haben, aber niemand dürfte es riskieren, der Erbin des Parteiheiligen Perón diesen Posten zu verwehren. Die Gnade der Militärs erweist sich als Drohung, wie ein peronistischer Kandidat schon einräumte: „Mit Isabelita verlieren wir die Wahl.“

Reagans Rezept

Ronald Reagan, guter Anekdotenerzähler mit schlechtem Gedächtnis, hat Amerikas Hobbyköche zum Rätseln gebracht. Es begann mit einer Bemerkung des Präsidenten während einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche: „Irgendwann einmal“, hatte Reagan den Journalisten geraten, „lassen Sie sich von mir mein Rezept für ‚Haferflockenfleisch‘ geben. Als ich ein Kind war, hielt ich das für den größten Luxus.“ Nachdem der Präsident dieses unbekannte Gericht erwähnt hatte, das seine sparsame Mutter während der harten Depressionsjahre zu kochen pflegte, standen im Weißen Haus die Telephone nicht mehr still. Woraus besteht Haferflockenfleisch, wollten die Leute wissen. Doch weder das Weiße Haus, noch ehemalige Nachbarn in Reagans Heimatstadt Dixon in Illinois, kannten die Speise. Da der Präsident selber das Rezept offenbar auch vergessen hat, gilt bislang die Auskunft einer Wirtschafterin als zutreffend: Haferflockenfleisch sind fleischlose Knödel aus Haferflocken.

Schwierige Verständigung

Charles de Gaulle riskierte ob seiner Begeisterung für den Separatismus der Kanadier mit französischer Muttersprache eine ernste Krise zwischen Ottawa und Paris, alle seine Nachfolger kümmerten sich um die Beziehungen zu der inzwischen von Separatisten regierten Provinz Quebec, und François Mitterrand empfing jetzt den Ministerpräsidenten der frankophonen kanadischen Provinz. Ein schwieriger Besuch für beide Beteiligten: René Levesque vermißt bei den französischen Sozialisten das patriotische Engagement, das seinen Separatisten zu mehr Gewicht innerhalb Kanadas oder gar zur Unabhängigkeit verhelfen könnte; Mitterrands Regierung sieht gerade durch die kulturkämpferischen Frankokanadier ein ehrgeiziges Vorhaben zum Ruhm der Francophonie gefährdet: eine Konferenz aller französischsprachigen Staaten der Welt. Die Québecois wollen sich bei diesem Ereignis nicht von der kanadischen Bundesregierung vertreten lassen, und Mitterrand will ebenso wie sein Vorgänger Giscard jetzt lieber auf das prestigeträchtige Unternehmen verzichten als sich in die innenpolitischen Händel des zweisprachigen Kanada hineinziehen zu lassen.