Seit dem 1. April sind die Leute nicht mehr krank", sagt die Hamburger Apothekerin Hildegard Lindenau. Die Pharmazeutin hat einen "echten Rückgang" ihres Umsatzes beobachtet. Zum Beispiel bei Abführmitteln: "Die Leute gehen wieder so aufs Klo."

Die spontane Gesundung der Kundschaft ist weder ein Aprilscherz noch Werk eines Wunderheilers; auch ist sie nur scheinbar. Seit dem 1. April müssen Patienten mit "Befindlichkeitsstörungen" ihre Medikamente selber zahlen, selbst wenn der Arzt sie verschrieben hat.

Ob Grippepillen, Hustensäfte, Schnupfentropfen, Abführpräparate, ob Mittel gegen Schwindel oder Sprays für die Gurgel – die Krankenkassen rücken dafür keine Mark mehr heraus. Der Gesetzgeber hat den Solidargemeinschaften Kostendämpfung verordnet, eine Kur zu Lasten der Versicherten, die sie letztlich entlasten soll.

Der Griff in die eigene Tasche tut weh. Viele Patienten sind am Portemonnaie empfindlicher noch als im Hals – anders ist der Umsatzrückgang der Apotheken nicht zu erklären. Einer Erhebung im Saarland zufolge haben die Ärzte des Landes im April ihren Patienten 21,6 Prozent weniger Kassenrezepte ausgestellt als im Vormonat. Der Arzneimittelumsatz der Apotheken schmälerte sich um 13,5 Prozent.

Auf Heller und Pfennig läßt sich noch nicht belegen, wieviel die Krankenkassen sparen werden. Auch wenn es nicht die 500 Millionen Mark sind, auf die die Bundesregierung hofft, so deutet manches auf spürbare Effekte hin.

Die Apotheker schimpfen. Sie wurden schon im Oktober 1982 gebeutelt, als Vitaminpräparate, Mineralwässer und Kosmetika aus dem Leistungskatalog verschwanden.

Die meisten der befragten Ärzte befinden sich in Einklang mit ihren Standesorganisationen und sind auf die neue Regelung ebenfalls schlecht zu sprechen. Sie macht mehr Arbeit, ohne mehr Geld zu bringen.