Manchmal „finde ich es schon etwas bitter, wenn mir junge Leute sagen, Ihre Zeit ist vorbei.“ Der das sagt, ist ein arbeitsloser ehemaliger Bundestagsabgeordneter, der bei der Bundestagswahl im vergangenen März noch einmal als 60jähriger für die FDP angetreten war, allerdings auf einem ganz aussichtslosen Listenplatz: Walther Ludewig aus Braunschweig, FDP-Abgeordneter von 1976 bis 1980. Zuvor hat sich Ludewig im Kreis- und Stadtrat für seine Partei engagiert, Bürgermeister war er in Braunschweig-Volkmarode, stellvertretender Landrat auch.

Jetzt traf ihn die Arbeitslosigkeit. Die Hilfe der Partei blieb aus, und weil ihm die Arbeitslosigkeit „allmählich zu lange dauert“, ging Ludewig zur Bonnservice-Beraterbörse – eine Werbe- und Beratungsdienste GmbH. Ludewig sucht nun eine freiberufliche Tätigkeit als Berater, Vertreter oder Repräsentant.

Der Zusammenhang von Ursache und Wirkung war – betrachtet man den Augenschein – ganz eindeutig. Da hatte der Chef der Steuerfahndung in Bonn-St. Augustin einen ziemlichen Sumpf von Steuerbetrügereien bloßgelegt. Ende der 70er Jahre hatte der Beamte Klaus Förster, ein äußerst sensibler Kriminalist, bei der Steuerfahndung entdeckt, daß Unternehmer die CDU finanzierten und die Parteigelder als Betriebsausgaben steuerunschädlich absetzten. Bei weiteren Ermittlungen kam dank Förster heraus, daß auch die übrigen Parteien SPD und FDP fleißig abkassiert hatten, vor allem aber die FDP und deren Prominenz, der ehemalige Wirtschaftsminister Hans Friderichs und der gegenwärtig amtierende Otto Graf Lambsdorff.

Ein Untersuchungsausschuß des Bundestages beschäftigt sich nun mit dem Komplex Parteispenden, die Bonner Staatsanwaltschaft steht ihrerseits auch unmittelbar vor Abschluß ihrer Ermittlungen. Ohne Förster wäre alles kaum soweit gekommen.

Dennoch betrachtet er sich als das bisher einzige Opfer seiner Ermittlungen. Er nämlich wurde 1980 von seinem interessanten Posten abberufen und an ein Kölner Finanzamt versetzt. Und das, nachdem ihm, so Förster, zuvor bedeutet wurde, er möge sich nicht mehr so intensiv mit Parteifinanzierungs-Praktiken beschäftigen. Weil Förster die Versetzung urgerecht fand und wähnte, sie diene allein dem Zweck, einen unbequemen Ermittler im Bonner Prominenten-Umfeld loszuwerden, klagte er gegen seine Versetzung. Allerdings vergebens: Das Kölner Verwaltungsgericht und das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden, Försters Versetzung habe zum üblichen Personenkarussell gehört.

Nun treibt die Ministerin von Nordrhein-Westfalen, Ingeborg Donnepp, den Versetzungfall Förster auf die Spitze. Die Ministerin ließ ihre Pressereferentin Barbara Hendricks folgendes an die ZEIT schreiben: „Regierungsdirektor Förster hat zwar geäußert, daß er Leiter der Steuerfahndungsstelle St. Augustin bleiben wolle, Die Verwaltung kann jedoch keinem Beamten zugestehen, sich in relativ jungen Jahren die Funktion auszusuchen, in der er sein dienstliches Dasein beschließen möchte. Wer das will, muß Richter werden, nicht aber versetzbarer Verwaltungsbeamter. Innerhalb der Verwaltung müssen Versetzungen möglich bleiben. Dies dient der Förderung des betroffenen Beamten als auch dem Interesse seiner Kollegen, sich ebenfalls in bestimmten Funktionen bewähren zu können. Last not least kann nur so die vielfältige Ersetzbarkeit leitender Beamter gesichert werden.“ Welch fürsorgliche Verwaltung.

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