Von Gerhard Seehase

Köln

Angesichts des Todes, sagte Pfarrer Wilhelm Hosen in seiner Predigt, wolle er nun vom Leben sprechen – und das Leben hatte Hennes Weisweiler, den sie am Morgen in seinem Heimatdorf Lechenich bei Köln beerdigt hatten, zwei Stunden später bei der Totenmesse im Kölner Dom schon wieder eingeholt.

Tausende bildeten Spalier auf dem Platz vor der Kathedrale, um der trauernden Prominenz ("Ist der Pelé eigentlich schon durch?") möglichst nahe zu sein. Und im Innern des Doms standen sie dichtgedrängt im lockeren Touristen-Look an den Seiten jenes harten Gestühls, das für die dunkelgekleidete Trauergemeinde reserviert worden war.

Glücklich, wer einen Stehplatz etwa unmittelbar neben Günter Netzer gefunden hatte. Als Franz Beckenbauer kam, rief einer aus der dritten Reihe: "Hallo Franzl!" Die Mutti neben mir war angesichts der breiten Rücken vor ihr höchst ungehalten, weil ihr etwa zehnjähriger Sohn, er trug die Rückennummer 15 auf dem Kölner FC-Trikot, nichts sehen konnte: "Lassen Sie den Jungen doch mal durch." Die Kameraleute des Fernsehens zeigten ungeniert mit Fingern auf die Glanzpunkte in den Bankreihen der Illustren: "Nun noch den." Und als Bundestrainer Jupp Derwall kam, sagte einer neben mir so laut, daß er im Umkreis von mehreren Metern zustimmendes Kopfnicken erntete: "Der Hennes war besser."

Mit 63 Jahren war Hennes Weisweiler in Zürich, wo er die Grashoppers erfolgreich trainiert hatte (Schweizer Meister und Pokalsieger), gestorben, ohne daß sich der Tod durch eine Krankheit angekündigt hatte. Am Abend vorher hatte er noch mit Freunden gefeiert. Er ließ eine junge Frau zurück und einen zweijährigen Sohn.

1980 hatte er, es war seine dritte Ehe, seine langjährige Freundin Gisela Heizmann geheiratet. Pfarrer Wilhelm Hösen, der Freund, hatte das Ehepaar Weisweiler erst vor kurzem (nachträglich) kirchlich getraut. Und jetzt hielt er im Kölner Dom die Totenmesse. "Angesichts des Todes möchte ich vom Leben sprechen", sagte er.