Im Jahre 1937 schlossen die Arbeitgeber und die Gewerkschaften der schweizerischen Metallbranche ein „Friedensabkommen“. Die Sozialpartner verpflichteten sich, aufeinander Rücksicht zu nehmen und Meinungsverschiedenheiten durch Verhandlungen „auf Treu und Glauben“ auszutragen: Streiks und Aussperrungen sind verpönt, und sie sind es fast schon ein halbes Jahrhundert lang; soeben ist der Friedensvertrag um fünf Jahre verlängert worden.

Die schweizerischen Arbeitnehmer haben um des Friedens und damit auch des Wohlstands willen auf viele Annehmlichkeiten verzichtet: Sie arbeiten länger (in der Metallbranche 42, jüngst noch 43 Stunden in der Woche), sie haben weniger Urlaub, sie erhalten überdies weniger Sozialleistungen als etwa ihre deutschen Kollegen; und sie haben kein Recht auf Mitbestimmung. Auch jetzt wieder steckten die Gewerkschafter in ihren Forderungen zurück, weil bei den Unternehmen „ohne Schaden für die eigenen Leute nicht mehr zu holen ist“, so der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Fritz Reimann. Die 40-Stunden-Woche wird denn erst 1988 nach einer allgemeinen Lohnsenkung eingeführt.

Nun ist oft genug auf die legendäre Besonnenheit der helvetischen Gewerkschaften hingewiesen worden. Es gilt aber auch, die Konzilianz der Arbeitgeber hervorzuheben, die die weltweit höchsten Löhne zahlen. Beide Sozialpartner haben einen zu hohen Preis für den sozialen Frieden bezahlt, als daß sie ihn jetzt aufs Spiel setzen könnten. Ro. W.