Erst war es Theo M. Loch (CDU), dann Richard Becker (SPD); erst der Fernseh-Chefredakteur des WDR, dann der Intendant des Deutschlandfunks. Erst mußte der eine seinen Hut nehmen, weil herausgekommen war, er war – zuletzt im Range eines Obersturmführers – bei der Waffen-SS gewesen, dann mußte sich der andere dafür rechtfertigen, daß er – zuletzt als Kanonier – kurze Zeit ebenfalls bei dieser Truppe gedient hatte. Und beide, wohlgemerkt, ohne sich dabei mitschuldig an Verbrechen gemacht zu haben.

Es ist keine Weißwaschung, wenn gegen solche heuchlerische Hatz im bald vierzigsten Nachkriegsjahr eingewandt wird: Sowenig Auschwitz als Knüppel gegen alles und jedes taugt, etwa gegen den Pazifismus oder die Raketen, sowenig hilft es der Vergangenheits-„Bewältigung“, nach der Devise zu verfahren: Haust du meinen SS-Mann, hau’ ich deinen SS-Mann!

So wird Geschichte nachträglich auf niedrigstem Niveau abgetan: auf dem primitiver Rachejustiz. Und die notwendige Scham über die wirkliche Schuld wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Jene aber, die jetzt über die Jugendsünden der Lochs und Beckers hergefallen sind, sollten sich sagen lassen: Viele von ihnen bewahrte womöglich nur die Gnade des Jahrgangs vor ähnlicher Verstrickung. D. St.