Der Mord an einem israelischen Talmud-Schüler in Hebron hat die Spannungen im Westjordanland erneut angeheizt. Die Besatzungsmacht reagierte mit der Absetzung des Bürgermeisters und der Veröffentlichung neuer Sied-

Seit Wochen war es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen in der Juden wie Muslimen heiligen Stadt Hebron gekommen – zwischen arabischen Bewohnern der Stadt und Israelis aus der angrenzenden Siedlung Kiriat Arba, einer Hochburg nationalistischer Extremisten. Ein Teil der Siedler von Kiriat Arba will sich seit langem im Zentrum von Hebron festsetzen, dessen alte jüdische Gemeinde sich 1929 zerstreut hatte, nachdem Araber 60 Juden ermordet hatten. Die jüdischen Siedler, deren Vorort Kiriat Arba von der Regierung Begin großzügig unterstützt wird, sorgten durch provozierende Auftritte für immer neue Eskalationen der Gewalt.

Arabische Jugendliche erstachen letzten Donnerstag den 19jährigen Aharon Gross, der mit einem Maschinengewehr bewaffnet auf den Autobus von Hebron nach Kiriat Arba wartete. Er war der achte seit 1980 in Hebron getötete Jude.

Der junge Siedler erlag seinen Verletzungen vielleicht nur darum, weil drei andere Siedler den Schwerverletzten liegenließen, um die erfolglose Verfolgung der Messerstecher aufzunehmen, und im arabischen Krankenhaus der Stadt nichts zu seiner Rettung unternommen wurde. Wenige Stunden später setzten Israelis aus Kiriat Arba Marktstände und Autos der Araber in Brand und zerschlugen Fensterscheiben.

Verteidigungsminister Mosche Arens, der unmittelbar nach dem Mordüberfall nach Hebron gekommen war, wurde von isrealischen Demonstranten als „Mörder“ beschimpft: Die radikalen Siedler im Westjordanland werfen ihm vor, die arabische Bevölkerung nicht hart genug für Proteste und Gewaltaktionen zu bestrafen. Sie verlangen für sich das Recht auf Selbstjustiz.

Die israelischen Behörden verhafteten einige Demonstranten, verhängten vorübergehend eine Ausgangssperre über Hebron und setzten Bürgermeister Mustafa Natsche mitsamt seinem Stadtrat ab, weil sie „Spannung und Feindseligkeit“ begünstigt hatten. Natsches Vorgänger war 1980 nach dem gewaltsamen Tod von sechs israelischen Siedlern ausgewiesen worden. Für Natsche wurde ein israelischer Beamter als kommissarischer Nachfolger eingesetzt; damit haben alle größeren Städte des Westjordanlandes mit Ausnahme des christlichen Bethlehem ihre gewählten kommunalen Spitzen verloren.

Die Regierung in Jerusalem reagierte auf den Mordfall außerdem mit der Ankündigung eines größeren Siedlungsplans für Hebron. Mitten in der Stadt soll nach den Vorschlägen der Kiriat Arba-Siedler das jüdische Viertel innerhalb von drei Jahren wiedererrichtet werden, auch wenn dem der Widerstand der 70 000 Araber Hebrons entgegensteht wie auch die noch ausstehende Entscheidung des obersten israelischen Gerichtshofes, vor dem die Stadtverwaltung gegen die Zerstörung arabischer Häuser Klage eingereicht hat. Ariel Scharon und andere Radikale im Kabinett Begin drängen jetzt darauf, ohne Rücksicht auf die juristische Situation große Teile der Hebroner Innenstadt zu enteignen.