Oberrimsingen: „Friedemann Hahn“

Seit den frühen-siebziger Jahren gehören sie dazu: Friedemann Hahns Hollywood-Nachschöpfungen. Rita Hayworth, James Steward, Lana Turner, Joe Dallesandro – allesamt in Öl auf Leinwand. Eine Heldengalerie, herausvergrößert aus der Filmgeschichte, aber nicht nur die private Historiographie eines malenden Cineasten. Jahn hat seine Filme an ganz bestimmten Stellen angehalten: Die Stars treten mit wenigen Ausnahmen (Humphrey Bogart, Marilyn Monroe) paarweise auf. Die Posen, in denen der schnell zupackende Pinsel das Spielpersonal erwischt hat, markieren stets Augenblicke vor der großen Leidenschaft, dem großen Dialog. Der Bildausdruck mithin schwankt zwischen Virtualität und Erstarrung. Eine Unentschiedenheit, von der sich Hahns Malerei wohl prinzipiell nährt. Führt da ein Kino-Freak die Heraldik der Traumfabrik vor? Baut da ein Maler den Mythen des 20. Jahrhunderts Altäre? Entlarvt er vielmehr die Klischees? Oder ist die ganze Offenlegung der Obsession nur Vorwand für eine eminente malerische Begabung? Ganz sicher hat sich der Maler Friedemann Jahn immer, nachdrücklicher empfohlen. Die Fortentwicklung des Werks bestätigt dies. Die gespielt naive, flächig ungelenke Malweise ist virtuos lebendig geworden. Die aparten Akkorde („Marilyn“: Haar, Hautton und Hintergrund in Rosa, Fink und Violett) sind aufgebrochen in geradezu kämpferischer Farbarbeit, die die ungemischten Grundtöne variiert. Geblieben sind die doppelt reproduzierte Wirklichkeit, die ausgeliehenen Motive. Indianerhäuptlinge, Literaten, Banditen und die Väter der modernen Malerei: Cézanne, van Gogh vor allem, Monet. Monet, der seine Palette vorhält wie eine Aufforderung, sich aus dem verschwenderischen Farbangebot zu bedienen. Geblieben ist auch die vieldeutige Haltung. So sehr die Bilder Ikonen sind, ihre Feierlichkeit nie leugnen, so sehr hat sich die Malerei immer kräftiger ihrer Anlässe bemächtigt. Selbstbewußt tappt der Pinsel über die Leinwand, hinterläßt ganz unfeierliche Spuren: Fast zugewachsen scheint Arthur Rimbaud von blaugrünen Farblianen. Und Paul Cézanne ist nur noch ein Schatten hinter grobgewirktem Farbgitter (Galerie Kröner, bis 31. Juli, Katalog 25 Mark).

Hans-Joachim Müller

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Irische Kunst ans drei Jahrtausenden – Thesaurus Hiberniae“ (Staatliche Museen bis 23. 10., Katalog 20 Mark)

Frankfurt: „Julio Gonzalez – Seine Skulpturen, Zeichnungen and Bilder“ (Städelsches Kunstinstitut bis 14. 8., Katalog 27 Mark)

Hamburg: „Die Bugattis – Autos, Möbel, Bronzen“ (Museum für Kunst und Gewerbe bis 28. 8., Katalog 25 Mark)