Politiker reden mitunter wie Blinde von der Farbe: Fern von der Verfassungwirklichkeit der Bürger, im Ghetto der Metropolen und Parlamente, kennen sie den Alltag oft nur im Abbild der Akten.

Nicht so Franz Josef Strauß, Ministerpräsident von Bayern. Wenn er sich zu Wort meldet, dann weiß er, wovon er spricht, dann hat er auch selbst Erfahrungen in dem Sachgebiet gemacht. So fand er auch jetzt wieder, neben Milliarden-Kredit für die DDR und trotz Hader in der CSU, Zeit, das Arbeitsvermittlungsmonopol der Arbeitsämter konstruktiv aufs Korn zu nehmen. Und dabei kommt die Kritik nicht etwa von theoretischer Warte, nein, da wurde der Bayer ganz konkret, da lieferte er gleich den Beweis, daß Arbeitsvermittlung gar nicht so schwer ist, wie die trägen Behörden immer meinen.

Ein Mädchen aus dem Bayerischen Wald suchte eine Lehrstelle, ein Unternehmen aus München einen Lehrling. Geholfen hat da der Ministerpräsident und nicht die Arbeitsämter, er hat die beiden zusammengeführt.

Das Münchener Modell sollte Schule machen. Da brauchten die 2,1 Millionen Arbeitslosen in der Bundesrepublik nur 2,1 Millionen Realpolitiker vom Schlage eines Franz Josef Strauß zu finden – und schon hätten sie alle einen Job. Oder vielleicht wenden sie sich lieber gleich alle an den besten, den sie kennen, eben an Franz Josef Strauß selbst – dann bliebe es wenigstens ein Monopol. RG