Die großen internationalen Hotelketten haben eine Novität zu bieten, die den Wünschen ihrer Kunden entgegenkommt und zugleich die Kassen füllt: das „Hotel im Hotel“.

Wer im vorletzten Geschoß des Hyatt Continental Hotels in Acapulco aus dem Lift steigt, tritt auf Velours statt der ansonsten üblichen Steinplatten. Eine junge Dame schwebt dem Ankömmling entgegen und begrüßt ihn auf das freundlichste. Im Zimmer stehen Grünpflanzen, im Badezimmer hängt ein Bademantel. Je nach Tageszeit steht in der kleinen Lobby vor dem Aufzug ein bescheidenes Frühstück zur gefälligen Bedienung parat oder – zum Dämmerschoppen – eine Bar mit Alkoholika und kleinen Happen. All dies und einiges mehr ist gratis für den Gast auf dieser Etage.

Dafür zahlt er einen Aufschlag bei der Endabrechnung. Im Durchschnitt sind es zehn Prozent, die für diesen Spezialservice mehr verlangt werden. Und dennoch ist die Nachfrage nach diesen Zimmern so groß, daß immer mehr Hotels beschließen, zumindest eine Etage entsprechend umzurüsten.

Im Fachjargon der Hoteliers heißt das ganze Projekt „Hotel im Hotel“. Es ist eine Kombination von einem Club mit seinen Sonderleistungen und den gewohnten Hotelvorzügen. All das steht jedem offen, der bereit ist, die Mehrkosten zu zahlen.

Die Hotelgruppen haben unterschiedliche Namen für ihre Extra-Etagen. Bei Hilton, das dieses Projekt am weitesten vorangetrieben hat, gibt es die „Vista Executive Floors“ bereits in elf Hotels, in 15 weiteren Häusern ist der Einbau vorgesehen. Hyatt taufte seine Eugen „Regency Clubs“, bei Ramada nennt man sie „Renaissance Club Floors“ und bei Sheraton in München ist es der „Tower Service“. Die Amerikaner, die in Deutschland die Vorreiter dieses Trends sind, ließen an der Isar gleich zwei Etagen für drei Millionen Mark umbauen.

Ursprünglich waren die Spezialetagen entstanden, um den umworbenen Geschäftsleuten ähnliches zu bieten wie die Fluglinien mit ihrer Business Class: einen etwas besseren Service mit moderaten Mehrkosten. Deshalb gab es die ersten Hotel-Clubs in den Großstadthäusern. In Amerika fand die Neuerung aber so viel Anklang, daß auch Ferienhotels dazu übergingen, Hotels im Hotel anzubieten.

Geschäftsleute in Ferienstimmung stellen aber auch hier das Hauptkontingent der Gäste. Sie haben in den Metropolen den Sonderservice schätzen gelernt: „Es sind ja nicht nur die paar Drinks und die Palme auf dem Balkon, die den Unterschied machen“, meinte ein reiseerfahrener Kaufmann aus New York, „es ist die Möglichkeit, in kleinem Kreis unverbindlich Kontakte zu knüpfen. Mal findet man einen Partner für das Golfspiel am Nachmittag, mal aber auch einen Partner, mit dem man groß ins Geschäft kommt.“ K. V.