MELDUNG: An die 2000 Anzeigen gegen den Achternbusch-Film ‚Das Gespenst‘ sind bisher bei der Staatsanwaltschaft München I eingegangen ... Über die Hälfte sind im Text gleichlautende Vordrucke, darunter auch Sammelanzeigen, die von mehreren Personen unterschrieben wurden ... Die Staatsanwaltschaft ist zu der Ansicht gekommen, daß der Film Religionsbekenntnisse beschimpfe. Ein Ermittlungsverfahren läuft.“

Deutsche Presse-Agentur, 8. und 11. Juli 1983

KOMMENTAR: „Also die geistig Erwachsenen in Deutschland sollen wieder von den geistigen Kindern gelenkt werden ... Hasenclever lästert Gott. Sicher haben die Griechen ihre Götter mehr verulkt. Aber was dem Lukian vor zwei Jahrtausenden freistand: das ist heute zu verbieten ... Ein Friedensangebot: Wir krümmen euch kein Haar. Ihr dürft aber auch uns nicht sagen: ‚Macht eure Kunst und Kultur im geschlossenen Raum ab!’ ... Somit: Wir vergewaltigen euch nicht. Wir schleppen euch nicht zu religionswidrigen Dingen. Ihr könnt wegbleiben. Aber wir lassen auch uns nicht vergewaltigen – auf unserem Entwicklungsstandpunkt. Ich fragte mich einst, in Lourdes: War alles umsonst, seit wieviel Jahrhunderten – umsonst? Immer noch die alte Mythologie? Und ich soll meinen Standpunkt nicht äußern dürfen? (.Berechtigte Gefühle verletzen’, heißt so was. Wenn meines verletzt wird.) – Jetzt gilt es nicht, ein drohendes Unrecht zu widerlegen. Sondern es zu hemmen.“

Alfred Kerr: „Zensur“; aus der Rede in der Preußischen Akademie;

Berliner Tageblatt, 7. März 1929.

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MELDUNG: „Der CSU-Abgeordnete Franz Handlos ist wegen des Verhaltens des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß („Ein-Mann-Demokratie“) aus der bayerischen Unionspartei ausgetreten. CSU-Landesgruppenchef Theo Waigel nannte Handlos einen absoluten politischen Einzelgänger“, der CSU-Generalsekretär Otto Wiesheu sieht Handlos „allein auf weiter Flur“ und Strauß nannte Handlos einen „Außenseiter“.