In Düsseldorf stehen Polizisten vor Gericht, weil sie Stadtstreicher gequält haben.

Sonderbehandlung“ sollen Polizeibeamte der Düsseldorfer Altstadtwache das genannt haben, was ihnen zur Lösung des Stadtstreicher-Problems eingefallen war: sadistische Quälereien wie Scheinhinrichtung, Tritte und Schläge, wobei die Opfer ihr eigenes Blut auflecken mußten. Vielleicht ist den Beamten nicht klar, daß die „Vernichtung der Asozialen“ in Buchenwald, Dachau, Flossenbürg und Mauthausen „Sonderbehandlung“ genannt worden ist.

Was im Laufe eines Gerichtsverfahrens gegen Düsseldorfer Polizeibeamte bekannt geworden ist, schockiert. Die Vorfälle können jedoch nicht, wie während des Prozesses geschehen, als die Tat eines vermindert schuldfähigen, tablettenabhängigen Polizisten abgetan werden. Es ist daran zu erinnern, daß beispielsweise im Oktober 1982 Jugendliche in Köln einen schlafenden „Penner“ mit Benzin begossen und angesteckt haben. Zu erinnern ist ebenso, daß im Dezember 1980 Mainzer Polizeibeamte einen betrunkenen Stadtstreicher in ihren Polizeiwagen verfrachteten und in einem Weinberg aussetzten. Der Hilflose starb bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kurz danach an Herzversagen.

Sozialarbeiter in vielen Städten können davon berichten, daß Polizeibeamte Wohnsitzlose immer wieder an der Stadtgrenze aussetzen, mit dem Rat, sich nicht wieder blicken zu lassen. Daß „Penner“ winters in Waldgebieten abgesetzt werden, ist Mitarbeitern der Nichtseßhaftenhilfe kein Geheimnis. Daß die Beamten dabei oft nicht zimperlich vorgehen, wird ebenso berichtet.

Als ich selbst als „Penner“ unterwegs war, um zu erfahren, wie es denen ergeht, die nachts kein Bett in einem Asyl finden, wurde ich Zeuge einer Polizeikontrolle. Ein junger Beamter versuchte sich an einem schlafenden und offensichtlich betrunkenen Mann: er berührte ihn nicht mit den Händen, wendete ihn vielmehr mit den Füßen. Verachtung und Hilflosigkeit liegen nahe beieinander.

Man möge diesen Beitrag nicht als Polizisten-Schelte mißverstehen, denn die Beamten, wenn sie so handeln, wie hier beschrieben, reagieren aus der allgemeinen Verachtung heraus, die den „Pennern“ entgegengebracht wird. Sie dokumentieren zugleich ihre Überforderung, einen sozialen Konflikt mit polizeilichen Mitteln lösen zu sollen.

Auch die Kommunen fühlen sich überfordert, die mit der Arbeitslosigkeit stets wachsende Zahl der Unterkunftslosen zu versorgen. Es ist statistisch bekannt, daß Nacht für Nacht nur etwa jeder Zehnte mit einem Schlafplatz rechnen kann. So müssen sich die „nichtseßhaft“ Genannten eine Bleibe in Parks, Abbruchhäusern, Geschäftseingängen, selbst in Müllcontainern suchen. Arbeitslose oder aus welchen Gründen auch immer Gescheiterte kommen in die Städte, wo sie sich am ehesten Arbeit und Unterkunft erhoffen. „Stadtstreicher“ werden dabei jene höchst seßhaften „Nichtseßhaften“ genannt, die die Fußgängerzonen und Öffentlichen Plätze bevölkern. Es sind Menschen, die oft von den hilflosen Hilfsstellen abgeschoben wurden und ihr Vertrauen zu den Behörden verloren haben. Sie leben von Gelegenheitsarbeiten und Bettelei, betäuben den Alltag mit billigem Fusel.