Der steigende Dollar sowie die Ungewißheit über die Zinsentwicklung in den USA haben in den letzten Tagen die Börsentendenz in der Bundesrepublik bestimmt. Wenn nennenswerte Einbrüche bisher ausgeblieben sind, so liegt dies an den im Markt liegenden Kaufaufträgen institutioneller Gruppen, aber auch an den nie ganz ausbleibenden Kaufaufträgen aus dem Ausland.

Das nach wie vor bestehende Interesse an deutschen Aktien wird neuerdings zunehmend von dem positiven Eindruck getragen, den die Zwischenberichte großer Konzerne über das laufende Geschäftsjahr vermitteln. So wird Siemens das am 30. September zu Ende gehende Geschäftsjahr mit ziemlicher Sicherheit mit einem steigenden Gewinn abschließen. Deshalb wird sich aber an der Siemens-Dividende von acht Mark nichts ändern. Bei Siemens werden die Aktionäre normalerweise über die Einräumung günstiger Bezugsrechte für ausbleibende Dividendenerhöhungen entschädigt. Interessant ist – und darauf weist die in Düsseldorf erscheinende Börsen-Beratung hin daß bei Siemens die flüssigen Mittel von knapp 14 Milliarden Mark nahezu ausreichen würden, um das an der Börse eingeführte Kapital von 2,15 Milliarden „aufzukaufen“, das einen Marktwert von zur Zeit rund 15,3 Milliarden Mark besitzt.

Die Aussagen auf der BMW-Hauptversammlung, wonach die Produktion des Jahres 1983 bereits verkauft ist, hat den BMW-Kurs auf neue Höhen geführt. Auch wenn er sich inzwischen etwas zurückgebildet hat, gehören BMW-Aktien zur Zeit zu den Lieblingspapieren an der deutschen Börse. Richtig interessant wurden sie erst durch Spekulationen darüber, ob sich wohl auch hier die Kuwaitis „einkaufen“ wollen, obwohl BMW fest in der Hand von Quandt ist.

Interesse fanden in den letzten Tagen zunehmend die Veba-Aktien. Es wird bedauert, daß die Bundesregierung bisher nicht auf Anregungen eingegangen ist, den Bundesanteil von fast 44 Prozent an der Veba weiter zu verkleinern, um so einen Beitrag zur Förderung der Aktie zu leisten und um gleichzeitig die leere Bundeskasse mit ein paar zusätzlichen Millionen zu füllen. Bei der Veba werden sowohl im Chemie-Bereich als auch bei Veba Oel deutliche Ertragsbesserungen erwartet. Sie würden die Aussicht auf eine höhere Dividende als jetzt 7,50 Mark eröffnen.

Nach der kommenden Hauptversammlung wird die Veba den Markt der Optionsanleihen mit einer 500-Millionen-Mark-Emission bereichern. Dem Vernehmen nach ist ein Optionspreis von 165 Mark vorgesehen. Er läge damit in unmittelbarer Nähe des heutigen Aktienkurses von 175 Mark, in dem noch eine Dividende von 7,50 Mark enthalten ist.

Optimistisch äußern sich einige Banken auch über die Zukunft des Preussag-Kurses. Kommt es nämlich zu dem vorhergesagten Konjunkturaufschwung und damit zu einer nachhaltigen Erholung der Metallpreise, müßte die Gesellschaft schon 1984 an ihre früher einmal gute Ertragskraft anknüpfen können. K. W.