Der Bürgerkrieg im Tschad ist zum offenen Wüstenkrieg zwischen zwei gut ausgerüsteten Armeen geworden. Nach überraschenden Erfolgen des von Libyen unterstützten Goukouni Weddei holt die Armee des Präsidenten Hissène Habré nach dem Eintreffen westlicher Waffenhilfe zum Gegenschlag aus.

Steht hinter dem Krieg in dem dünn besiedelten afrikanischen Binnenstaat (viereinhalb Millionen Einwohner auf dem fünffachen Gebiet der Bundesrepublik) mehr als ein persönlicher Machtkampf? Mit dem ethnischen Konflikt zwischen Schwarzen im Süden und anvisierten Gruppen im Norden hat der „Streit der Häuptlinge“ allenfalls mittelbar zu tun. Goukouni Weddei und Habré waren beide Führer der Guerillagruppen des muslimischen Nordens, die 1979 nach langem Bürgerkrieg die Vorherrschaft des Südens brachen. Anfang 1980 verdrängte der Präsident Goukouni Weddei seinen Verteidigungsminister Habré, dem 1982 der Sturz des Rivalen gelang. Ungeachtet des Personenkarussells hatte Frankreich, die alte Kolonialmacht, immer die amtierende Regierung in der Hauptstadt Ndjamena unterstützt, die jeweils opponierende Kraft wandte sich stets an den nördlichen Nachbarn, den Libyer Ghaddafi.

Seit der Machtübernahme Habrés sind diese internationalen Fronten ganz deutlich geworden: Libyen setzte sich für seinen Schützling Goukouni als legitimen Präsidenten ein und riskierte mit dieser Position die Existenz der afrikanischen Dachorganisation OAU; Frankreich akzeptierte mit Habré einen engen Verbündeten, der seine internationale Prominenz vor Jahren gewonnen hatte, als seine Guerrilleros eine französische Wissenschaftlerin als Geisel genommen hatten.

Der Vormarsch von Goukounis „Nationalen Befreiungskräften“ überraschte vor allem wegen seines Tempos. Mit libyscher Hilfe sind seine Truppen inzwischen voll motorisiert. Innerhalb von weniger als drei Wochen gelang es ihnen, von Norden her gut die Hälfte des Landes einzunehmen. Ihrer überlegenen Feuerkraft hatten die Truppen Habrés nichts entgegenzusetzen.

Die Aussicht auf die Machtübernahme eines Ghaddafi-Schützlings im Tschad schreckt die prowestlichen Staaten Afrikas ebenso wie die Schutzmacht Frankreich. Französische Waffenlieferungen erreichen in immer größerer Zahl Ndjamena. Libyens arabische Feinde Ägypten und Sudan unterstützen Habré mit Waffen, lehnen nach eigenen Angaben aber die Entsendung von Soldaten ebenso wie Frankreich ab. Nur Zaires Staatschef Mobutu hat Truppen in den Tschad entsandt.

Nach eigener Darstellung hat die Regierung Habré eine erfolgreiche Gegenoffensive ihrer Truppen eingeleitet. Die ersten Berichte darüber waren allerdings widersprüchlich; Anfang der Woche reklamierten beide Seiten Erfolge. Gi