Von Carl-Christian Kaiser

Bonn

Das Bohren von dicken Brettern mit Geduld und Augenmaß ist Franz Möller wohlvertraut. Schließlich ist er Landrat des Rhein-Sieg-Kreises rund um Bonn. Seit geraumer Zeit aber hat der CDU-Abgeordnete und Vorsitzende des Bundestags-Bauausschusses mit der Weisheit Max Webers vom Wesen der Politik auf eine ganz besondere Weise zu tun.

In einer großen Koalition mit seinem sozialdemokratischen Parlamentskollegen Wilhelm Nobel, ebenfalls im Rhein-Sieg-Kreis zu Hause, will er den Petersberg retten – jenes weitläufige Hotel hoch auf einer Kuppe des Siebengebirges schräg gegenüber der Bundeshauptstadt. Es verfällt, seit der Bund 1978 die ehemalige Luxusherberge samt einem 110 Hektar großen Waldareal von den Erben der Kölner 4711-Parfüm-Dynastie für über 17 Millionen Mark erwarb, um daraus ein Gästehaus der Regierung zu machen.

Viele Pläne wurden gewälzt, aber die Verhältnisse waren niemals so. Meist fehlte das Geld. Geschehen ist praktisch nichts, obwohl Bonn bei größeren internationalen Konferenzen regelmäßig in peinliche Unterbringungsnöte gerät.

Dabei hat das Petersberg-Hotel früher immer wieder aus Verlegenheiten geholfen und ist, bis es 1969 als Privatbetrieb mangels Rentabilität geschlossen wurde, auch zu einem Stückchen Tradition der an Patina wahrlich noch nicht reichen Bundesrepublik geworden. Nach dem Krieg saßen dort die Hohen Kommissare der drei westlichen Siegermächte; Konrad Adenauer handelte mit ihnen das Petersberger Abkommen aus, das die Integration der eben gegründeten Republik in den Westen einleitete. Dann kamen viele Staatsgäste: von Kaiser Haile Selassie aus Äthiopien über den Schah und die Queen bis zu Leonid Breschnjew, für den das Hotel bereits in aller Eile wieder entstaubt werden mußte.

Daß Möller, Nobel und andere sich nun ermutigt fühlen, den drohenden Ruin aufzuhalten, hat, überraschend genug, mit einem Bayern zu tun, mit Oscar Schneider von der CSU, dem Wohnungsbauminister der neuen Regierung. Mit dem wie in allen früheren, so auch in Hefe mit Kohls Regierungserklärung enthaltenen, aber selten beherzigten Satz von der Unterstützung der Bundeshauptstadt Bonn scheint gerade er Ernst machen zu wollen. Einen maßvollen Ausbau des Parlamentsviertels, kulturell-geschichtliche Einrichtungen, Hilfe bei der Verbesserung der Verkehrswege des ins enge Rheintal eingezwängten Bonn und eben den Petersberg hat er zu einem Schwerpunktprogramm gebündelt. Er hofft, daß es vom übernächsten Jahr an auch im Bundeshaushalt finanziell unterfüttert werden kann.