Der Plan, eine „Eintrittsgebühr“ für Venedig zu erheben, hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Gegenüber der ZEIT erläuterte der Bürgermeister der „Serenissima“ sein Vorhaben.

Die Kultur Venedigs gehört natürlich der ganzen Welt. Deshalb ist mein Vorschlag, von Touristen ein Eintrittsgeld zu fordern, natürlich auch eine politische Provokation“, erklärte Matte Riga, Sozialist und Bürgermeister, seit 1975 im Amt. „Ich möchte so auf die Probleme unserer Stadt aufmerksam machen. Im Durchschnitt besuchen täglich 60 000 Menschen die Stadt, an Hochsaisontagen sind es sogar 200 000. Das kann Venedig nicht mehr verkraften. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie man die Saison entzerren kann.“

Einer dieser Gedanken ist das „Eintrittsgeld“ von beispielsweise 10 000 Lire, etwa 17 Mark. Für diesen Betrag sollten die Touristen freie Fahrt auf dem Vaporetto, freien Museumsbesuch, Informationsmaterial und, falls nötig, freie medizinische Betreuung erhalten. Diese Touristentickets würden an Hochsaisontagen vergeben werden, zu anderen Zeiten wären sie entsprechend preiswerter oder sogar gratis. Damit könne man, hofft Rigo, den Strom von 12 Millionen Besuchern besser über das Jahr verteilen.

Touristen, die in Venedig übernachten, zahlen bereits heute eine lokale Steuer, die in ihrer Hotelrechnung enthalten ist. Die hohe Zahl der Tagesbesucher – die Venedigs Infrastruktur stark belasten, der Stadt aber wenig bringen – zahlen keine solche Angabe, das Eintrittsgeld könnte hier einen Ausgleich schaffen. Hotelgäste würden somit von dieser neuen Abgabe befreit werden.

Rigo erwartet auch, Überschüsse aus diesen Geldern für den Erhalt der historischen Bauten verwenden zu können. Überdies hoffte Touristen künftig auch in jene Teile der Stadt locken zu klagen, die derzeitvom Fremdenverkehr ignoriert werden. Inwieweit er sich mit seinen Vorhaben durchsetzt, hängt natürlich auch von den anstehenden diesbezüglichen Debatten im Parlament ab.

Der Direktor des lokalen Touristikbüros, Costantino Silvestri, verwies hoffnungsvoll auf die Tatsache, daß die Franzosen Venedig als winterliches Reiseziel erkoren haben: „Im letzten Winter waren die Franzosen die Nummer eins unter unseren Touristen.“ Ob ihm ähnliches mit den deutschen Besuchern gelingt, muß wohl bezweifelt werden. Stefania Canali