Das Fernsehmonopol ist am Ende

Von Rainer Frenkel

Ein halbes Jahr nur mehr bis 1984? Wird Orwells Vision vom Überwachungsstaat kalendergerecht inszeniert? Noch klingen die Warnrufe unwirklich schrill. Noch ist jener Große Bruder nicht in Sicht. Doch die potentiellen Zuarbeiter – allen voran der Bunaespostminister und etliche Landesministerpräsidenten – haben sich ans Werk gemacht. Das Land wird verkabelt.

Die Tiefbauarbeiter sind dabei, ihren Teil der Bonner Wende zu vollziehen. Was da mitvergraben wird, ist die übervorsichtige, alte Medienpolitik der Sozialdemokraten. Was dabei in zehn bis fünfzehn Jahren herauskommen soll, ist nach christdemokratischem Willen: ein Strauß von Dutzenden von Fernseh- und Hörfunkprogrammen und später, als luxuriöser Höhepunkt, das Bildtelephon; dazu ungeheure Rationalisierungsmöglichkeiten in Büros und Dienstleistungsbetrieben, alles in allem: der einzig jetzt vorstellbare, wirkliche Wachstumsimpuls für die deutsche Industrie.

Und über allem kreisen Satelliten mit der Erde, scheinen also stillzustehen in 36 000 Kilometern Höhe und überschütten die Erdbewohner mit den schönsten Daten. Mit allem, was unterhält und Geld bringt, wenn es Geld bringt.

Das allerdings ist schon für das Fernsehen höchst ungewiß. Vielen Amerikanern jedenfalls, die deutschen Visionen bekanntlich um Jahre voraus sind, geht die Rechnung nicht mehr auf. Denn dort, wo bereits jeder dritte von 85 Millionen Fernseh-Haushalten am Kabel hängt, gehen langsam die Programme aus, und die Verkäufer lernen rote Zahlen kennen.

Hierzulande freilich sind rosige Medienzeiten beschlossen. Wenn die auch auf politisch wenig überzeugende Weise begründet werden.