Wie ein Wald brennt, eine Heide oder ein Grasland, hatten alle Teilnehmer einer Tagung im Forstzoologischen Institut der Universität Freiburg schon mehrfach miterlebt. Sie entfachen nämlich solche Brände mutwillig, beaufsichtigen sie dann aber. Denn versammelt hatten sich Praktiker der angewandten Feuerökologie zu ihrem zweiten internationalen Symposium.

Daß ein Wildfeuer gar keine Naturkatastrophe ist, sondern ein ganz natürlicher ökologischer Faktor, just wie das Klima oder die Bodenbeschaffenheit, ist den Ökologen erst in den letzten zwanzig Jahren bewußt geworden. In allen bewachsenen Landschaften sammelt sich abgestorbenes Pflanzenmaterial an und dörrt aus, so daß Bakterien und Pilze es nicht zersetzen können. Hier ist dem Blitz, nach Entstehung der ersten Landpflanzen im späten Silur vor 400 Millionen Jahren, mehr und mehr eine ökologische Aufgabe zugewachsen: Er steckt den Zunder beizeiten an.

„Was der Natur entsprechend geschieht“, wußte der alte Römer Cicero, „soll man zu den guten Dingen rechnen.“ Beim Feuer im Wald oder im Naturschutzgebiet war dieser Rat bis in die Gegenwart hinein schwer zu befolgen. Doch in der Tat, löscht man über viele Jahre, was von Natur aus brennen will, dann sammelt sich gefährlich viel organisches Material an. Nun kann auch der Blitz nur noch den heißen, verheerenden Brand entfachen, dem kein Wald mehr gewachsen ist.

Ein anderer Weg wäre, in sorgfältigen Studien den natürlichen Rhythmus zu ermitteln, in dem sich in einer Landschaft Feuer einstellt, und es in einem „kontrollierten Brennen“ oder „Flämmen“ nachzuahmen. Von solchen Experimenten berichteten in Freiburg unter anderem Skandinavier, Polen, Griechen, Italiener, Franzosen, Spanier, Portugiesen und Süddeutsche und konnten im wesentlichen nur Gutes mitteilen. Theorie und Technik der angewandten Feuerökologie jedoch stammen ausgerechnet aus den feuerscheuen Vereinigten Staaten.

Zentrum ist die Tall Timber Research Station in Georgia, wo sich der Kiefernforst, wenn jedes Wildfeuer gelöscht wird, allmählich in eine Buchen-Magnolien-Gesellschaft umwandelt, aus der die Kiefer verschwindet. Ähnliche Erfahrungen machten die Naturschutzfachleute in den Everglades von Florida, die 1947 zum Nationalpark erklärt und die noch bis 1972 strikt gegen Wildfeuer verteidigt wurden. Der angestammte Wald wurde von tropischen Laubhölzern verdrängt, und die Feuchtgebiete verbuschten ebenso wie die Eichen-Savannen Amerikas, eine alte Naturlandschaft, die heute mit kontrolliertem Brennen wieder hergestellt wird.

Unversehens ist auch bundesdeutschen Naturschützern schon manches Schutzgebiet abhanden gekommen, indem sich etwa ein bunter Trockenrasen mit vielen Arten durch Fernhalten des Feuers in eine Wiese verwandelt hat, auf der nur noch wenige, nicht schutzwürdige Arten dominieren. Denn das Feuer reinigt den Boden nicht nur von Streu und Pflanzenabfall, es prägt und erhält Lebensgemeinschaften mit „Brandpflanzen“ wie Eichen oder Kiefern, die eine Feuerresistenz erworben haben und „Brandtieren“, die den einen oder anderen Nutzen aus dem flammenden Öko-Eingriff ziehen.

Ganze Landschaftstypen der Erde sind vom periodischen Feuer wesentlich gestaltet worden und in ihrem Fortbestand geradezu vom Feuer abhängig wie die Steppen und Savannen Zentralafrikas, die Zonen der Hartlaubgewächse am Mittelmeer, in Australien, oder das macchie-ähnliche kalifornische Chaparall. Es brennen die Taiga und die Tundra wie die Heide, und auch der Eukalyptuswald gehört zu diesen „Feuer-Ökosystemen“.