Zeltfans abseits der Campingplätze werden in fast allen Länden Europas argwöhnisch beäugt. Vor allem Umweltsünder kommen in den meisten Fällen nicht ungestraft davon. Wer freilich die Spielregeln beachtet, schläft so äußerst preiswert.

Am wenigsten Probleme gibt es im hohen Norden: In Schweden gewährt der Staat ein „allgemeines Nutznießrecht“, das den Besitzern von Leinwand-Villen weitgehend entgegenkommt. Nur wenn Häuser in der Nähe sind oder sich jemand belästigt fühlt, schreitet die Polizei ein. Sonst kann man zelten, wo man will – ähnlich ist es in Norwegen. Im Land der tausend Fjorde gibt es nämlich nur eine Einschränkung: Offenes Feuer im Sommer ist in allen Wäldern verboten. Auch Italien hat ein Herz für wilde Camper: Wer nicht mitten auf der-Piazza oder im militärischen Sperrbezirk seinen Schlafsack aufrollt, schläft unbehelligt unterm freien Himmel. Zurückgelassene Konservenbüchsen oder Bierflaschen sieht allerdings keiner der Carabinieri gerne.

Strenger dagegen sind die Kollegen in Marokko oder der Türkei: In beiden Ländern müssen sich Zelttouristen bei der Polizei melden, bevor sie ihr Terrain abstecken. „Nicht verboten, aber auch nicht erlaubt“ ist dagegen das Campen in Jugoslawiens freier Natur. Nach Auskunft des Staatlichen Fremdenverkehrsamtes gibt es dennoch regional verschiedene Gesetze: „Unter Umständen“ droht eine Geldstrafe. Deshalb haben Landeskenner einen besonderen Tip: Wilde Camper sollten ruhig in ein Hotel gehen und nach der Herbergswiese fragen, die meistens den Tramps zumindest für eine Nacht zur Verfügung steht.

Auch Spanien ist relativ tolerant, solange die Freizeit-Nomaden ein paar Regeln einhalten: So darf man außerhalb eines Campingplatzes nicht mehr als drei Zelte auf einmal aufstellen – und auch mehr als zehn Personen sollten tunlichst nicht auf einem selbstgewählten Claim hausen. Außerdem darf man nicht länger als drei Tage an so einem Plätzchen bleiben oder gar zwei Zelte mehr als einen halben Kilometer auseinanderstellen.

So verworren die Spielregeln zwischen Biscaya und Barcelona – so einfach die Bestimmungen in Großbritannien. Auf öffentlichen Rastplätzen und an Straßen ist das wilde Zelten generell verboten – im Wald und auf Wiesen dagegen wird es meist toleriert. Kommentar der Britischen Zentrale für Fremdenverkehr: „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Weit strenger hingegen sind die Belgier. Sogar ein königlicher Erlaß regelt seit zwölf Jahren das Nomadenleben: Für die Dauer einer Nacht kann man schlafen, wo man will – gänzlich verboten ist ein Nickerchen an Stränden, historischen Gedenkstätten oder in Trinkwasser-Reservaten. Ebenfalls eine ungeniert in Österreich oder der Schweiz – wenn auch die eine Gemeinde oder der andere Kanton Einschränkungen macht. Vor allem, wenn die Tramps Schmutz hinterlassen, ist meist ein Bußgeld fällig. Wie man sich bettet, so liegt man auch in Frankreich: Meist hat die Grande Nation Verständnis für kleine Herbergs-Budgets – wenn vorher beim Grundstückseigentümer eine Erlaubnis eingeholt wurde. Kein Pardon kennt das Nachbarland freilich bei Umweltsündern: Die Gendarmerie winkt bei solcherart Vergehen unerbittlich mit einem Strafzettel. Rigoros sind indes die Dänen, Holländer und Griechen. In allen drei Ländern ist eine Nacht im Schöße der Natur nicht umsonst: Wer sich erwischen läßt, bekommt ein Bußgeld aufgebrummt – wer die nötigen Scheine nicht zahlen kann, dem droht gar ein kurzfristiger Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen. Soweit schließlich kann es in der Bundesrepublik nicht kommen, obwohl hierzulande das wilde Campen nicht erlaubt ist. „Hin und wieder hat die eine oder andere Polizeistreife“, so der Deutsche Camping-Club (DCC) in München, „schon ein Verwarnungsgeld für Zelt-Urlauber abseits eines Camps ausgesprochen.“

Ob es nun Geldstrafen hagelt oder nicht – kaum ein Land sieht die Wald- und Wiesen-Camper gerne, doch geduldet werden, sie fast überall. Wer überdies auf Privatelanden nach Absprache mit dem Besitzer nächtigt, dem kann eigentlich in ganz Europa auch der unnachsichtigste Dorfpolizist nichts anhaben.

Einen Nachteil jedoch kann das wilde Campen überall haben: Vor allem junge Rucksacktouristen berichten immer wieder von Diebstählen am Straßengraben. Pech für die Bestohlenen: Keine Reisegepäckversicherung haftet für die außerhalb eines offiziellen Campingplatzes abhanden gekommenen Wertgegenstände. tdt