Halbmond am Revers

„Es wird uns stetig leichter gemacht, uns in Deutschland unwohl zu fühlen“, hicß die Überschrift eines Leserbriefes, den die Hannoversche Allgemeine Zeitung am, vergangenen Donnerstag abdruckte. Der Verfasser des Briefes war der 29jahrige spanische Gastarbeiter, Siebdrucker von Beruf, Pascual José Fernandez Lopez.

Meine Frau, mein Kind und ich sind spanische Staatsbürger, und wir haben beschlossen, in unsere Heimat zurückzukehren, und dies, obwohl ich bereits über 20 Jahre hier lebe und mein Kind hier gehören wurde. Es wird uns nicht schwerfallen, Deutschland zu verlassen, nicht wegen der geplanten Rückkehrhilfe (auf die wir übrigens verzichten), sondern weil es uns stetig leichter, gemacht wird, uns hier unwohl zu fühlen. Wir reisen aus, auch wenn die Arbeitslosenraten in unseren Heimatländern höher sind und der materielle Abstieg durch die Rückkehr vorgezeichnet ist.

Trotzdem gehen viele zurück, unter anderem wohl, weil sich in letzter Zeit Parallelen zwischen 1933 und 1983 aufdrängen und Unbehagen Verbreiten. (70 Prozent Anhebung der Kraftfahrzeug-Kaskoversicherung für Türken, 30 Prozent für Spanier und ähnliches.) Da wird also schon ganz knallhart unterschieden; wie lange dauert es noch, bis Türken einen Halbmond am Revers tragen müssen?

Taxenzentralen vergeben Fahraufträge auf Wunsch der Fahrgäste nur an „arische“ Fahrer. Abteilungsleiter eines großen hannoverschen Textilkaufhauses sollten ihr Personal darauf hinweisen, daß auch türkische Gastarbeiter mit Sie anzureden sind. Wenn man hierzulande etwas mehr auf Anstand und Menschenwürde achten würde, so brauchte man sich nicht so intensiv um das berühmte Bild des „häßlichen Deutschen“ im Ausland zu sorgen.

Theophrast

Im April und Mai veröffentlichten wir in der ZSIT Nr. 16 bis 20 einige Charakterskizzen des griechischen Gelehrten Theophrast. Daß uns dessen spätantike Typen heute noch so vertraut erscheinen, verdanken wir nicht zuletzt der Übersetzung Horn Rüdigere. Eine Neuausgabe der Theophrastschen „Charakterskizzen“ erschien 1974 im Heimeran Verlag, München.