Politische Jagdgründe

Nicht so ganz privat wird die Urlaubsreise verlaufen, die den CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß nach Polen führt. Er ist von einem verwandten seiner Frau, der an der deutschen Botschaft in Warschau arbeitet, eingeladen und wird an einer Diplomatenjagd in Masuren (im ehemaligen Ostpreußen) teilnehmen. Auf dieser Pirsch im polnischen Staatsforst wird den bayerischen Ministerpräsidenten ein Gastgeber ähnlichen Kalibers begleiten: der polnische Innenminister General Kiszczak. Dabei soll nicht nur über die Böcke, die man schießt, geredet werden.

Beamte im Hungerstreik

Belgiens Städte und Gemeinden sind noch höher verschuldet als die Kommunen der Bundesrepublik. Lüttich, mit 220 000 Einwohnern größte Stadt des wallonischen Landesteils, ist so gut wie pleite. Seit April erhalten die 17 000 städtischen Bediensteten bis auf eine Unterstützung von maximal etwa 150 Mark in der Woche keine Bezüge mehr. Während Bürgermeister Edouard Close mit der Regierung in Brüssel um die Gewährung eines neuen Milliardenkredits verhandelte, traten einige Kommunalbeamte, Feuerwehrleute vor allem, in den Hungerstreik Ob das politischen Eindruck machen wird, steht dahin. Ein resignierter leitender Beamter der Stadt meinte, zwischen einem Hungerstreik und der durch die Not erzwungenen Lebensführung vieler Kollegen bestehe kein großer Unterschied mehr.

Neue Mode in Paris?

Eine Institution der französischen und internationalen Presselandschaft ist in Schwierigkeiten geraten. Die verkaufte Auflage von Le Monde ist 1982 um ungefähr 40 000 Exemplare gesunken (das ist ein Rückgang von neun Prozent); das Blatt, bislang auch geschäftlich ein Erfolg, machte umgerechnet sechs Millionen Mark Verlust. Chefredakteur André Laurens hat Redaktion und Verlag ein Sparprogramm verordnet, hat sich aber auch Gedanken über die Ursachen der Krise gemacht: Le Monde als Blatt der Linken tut sich schwer unter einer Regierung, die zu unterstützen langweilig, die zu kritisieren illoyal wirken mag. Möglicherweise wird das Blatt jetzt sein Äußeres neu modellieren (Le Monde erscheint bislang ohne Photos). Laurens will aber auch vor inhaltlichen Änderungen nicht zurückschrecken: „Wir behandeln trockene Themen, und dafür ist das Interesse zurückgegangen. Wir müssen darüber nachdenken, daß unsere Leser nicht mehr so fasziniert über die traditionelle politische Debatte sind, wie sie das früher einmal waren.“