Keine freundlichen Wilden bevölkern die kleine Südsee-Insel, über der ein Flugzeug abstürzt, mit dem eine Gruppe von Schülern beim Ausbruch des Dritten Weltkriegs aus England evakuiert werden soll. Und keine romantische Robinsonade bahnt sich an, sondern ein Rückfall in atavistische Verkehrsformen. Nach William Goldings berühmtem Roman „Lord of the Flies“ erzählt der große Theater-Mann Peter Brook in seinem 1963 entstandenen Schwarzweißfilm von der unaufhaltsam scheinenden Verrohung des Homo sapiens, der, kaum aus seiner Zivilisation geworfen, wieder den Barbaren in sich entdeckt. Die kultivierten College-Zöglinge verwandeln sich bald in grausame Jäger, die einem fernen Götzen huldigen. Die Schwachen bleiben auf der Strecke.

Die Parabel vom Neandertal in uns hat in den letzten zwanzig Jahren höchstens noch an Aktualität gewonnen. Dafür sind auch die Schwächen dieses eindringlichen Werkes offensichtlicher geworden: symbolistische Vergröberungen, auf die Peter Brook heute wahrscheinlich verzichten würde. Auf jeden Fall bleibt „Herr der Fliegen“, 1971 zuletzt von der ARD ausgestrahlt, eine der lohnenderen Ausgrabungen des müden Kino-Sommers. HCB