Von Wolfgang Gehrmann

Es war wie im Action-Film. Seite an Seite jagten der Golf und der 350er Daimler über die Landstraße, jeder versuchte, den anderen in den Graben zu drücken – erfolglos.

Weil die Krimi-Szene im schwäbischen Rems-Muhr-Kreis aber echt war, nahm das Auto-Duell eine eher überraschende Wendung. Die Kontrahenten eilten – einander unversehrt entkommen – zur Polizei und zeigten sich gegenseitig an. Beide kamen hinter Gitter. Der Grund ihres Zwistes kam heraus.

Der eine, ein holländischer Kaufmann, verübelte der anderen, seiner einstigen bulgarischen Geschäftspartnerin, daß die ihm Kunden und Personal ausgespannt und sich selbständig gemacht hatte. Weil es um reichlich Umsatz ging, war der Gram schon verständlich. Schwerer erklärte sich der Gang zur Polizei, denn leider – der Fahnder Aufmerksamkeit mußte dem Geschäft der beiden schaden. Ihr Gewerbe war illegal: Arbeitshandel. Sie vermittelten ausländische Schwarzarbeiter für den deutschen Bau.

Der crash im Schwabenland bescherte dem Stuttgarter Staatsanwalt Klaus Heitmann im Januar des Jahres ein – sagt er – "Urerlebnis". Die Geschäftspapiere des verhafteten Holländers nämlich, die Heitmann in die Hände fielen, brachten den Häscher auf die Spur eines multinationalen Arbeitshändlersyndikats, wie bislang noch keines aufgeflogen ist.

Jahrelang hatte der Niederländer unter ständig wechselnden Firmen ausländische Arbeiter an deutsche Baubetriebe vermittelt. In den letzten zwei Jahren hatte er dafür 800 000 Mark Umsatzsteuer gezahlt. Doch Heitmann fand Notizen über Geschäfte, die für mindestens 1,8 Millionen Mark Steuer gut waren – der Vermittler hatte meist unter der Hand kassiert.

Gestützt auf seinen Fund ließ Staatsanwalt Heitmann sich von Kollegen aus dem ganzen Bundesgebiet Ermittlungsakten kommen. Etliche Partner des Holländers waren immer schon mal beim Finanzamt, dem Arbeitsamt oder der Sozialversicherung wegen zweifelhafter Praktiken angeeckt, ohne daß man ihnen was beweisen konnte. Am Ende hatte Heitmann ein meterbreites Schnittmuster schwarzer Geschäftsbeziehungen an seiner Bürowand hängen – der Ankläger: "Ein unheimliches Geflecht."