Der amüsante und provozierende Beitrag des Literaturwissenschaftlers Joachim Dyck über den qualvollen Alltag seiner Professoren – Kollegen „Erschöpft, gebeutelt und heimgesucht“ hatte ein großes Echo ausgelöst. Der in dem Artikel erwähnte Professor Uwe Pörksen, der neben seiner wissenschaftlichen Arbeit einen Roman schreibt, war tief betroffen. Hartmut von Hentig, der uns bald nach Erscheinen des Artikels einen Brief schrieb, hatte das Bedürfnis, Pörksen zu verteidigen.

Ich habe mit Vergnügen gelesen, was meine Kollegen auf Joachim Dycks Urteile und „Interpretamente“ über den in der Tat vielfach privilegierten deutschen Lamento-Professor geantwortet haben.

Den Wissenschaftlichen Leiter von zwei zur Universität gehörenden Schulprojekten mit 1500 Personen, in denen er sich – wie überhaupt in Bielefeld – wohl fühlt, aber keine Bücher schreiben kann, treffen sie so wenig, daß es mich dauert. Joachim Dyck hätte seinen Artikel lieber nicht aus Anlaß des meinen schreiben sollen! – Darüber also und über das „virtuell“ von mir „produzierte“ und von ihm virtuos ausgelegte Bild vom „qualvollen Alltag unserer Professorenelite“ hier nichts mehr!

Aber daß der Professor der Literaturtheorie Joachim Dyck seinem Kollegen Uwe Pörksen verargt, daß ich mich mit ihm nicht nur über sein Berliner Vorhaben (eine Untersuchung über Wissenschaftssprache), sondern auch über eine Erzählung unterhalten habe, deren Thema (Internatspädagogik) mich interessiert, beweist entweder phantasievolle Lesekunst oder Kollegenneid – und nichts gegen das Wissenschaftskolleg!

Ich „lüfte den Schleier“ gern noch weiter: Uwe Pörksen hat die Erzählung nach Berlin mitgebracht, um dort – im Garten sitzend – meine Kritik einzuholen. Die übrigen Fellows, sei es, weil sie „an sich selbst“ und an ihren „unbefriedigten emotionalen Bedürfnissen“ litten, sei es, weil sie ihre elitäre Muße gefährdet sahen, beschlossen (interdisziplinär, versteht sich, und unter Leitung des beamteten Altgermanisten) zu prüfen, ob dies mit den Statuten der Grunewald-Villa vereinbar sei, ja, ob Uwe Pörksen seine literarische Schwangerschaft nicht vor Antritt seines Fellowships hätte abbrechen sollen. Man entschied (konfliktfrei und verlorene Zusammenhänge suchend), die Literaturprofessoren, die anderwärts andere Internate, beispielsweise das Wissenschaftskolleg, schöpferisch bedenken wollen, eines so anregenden Stoffes nicht zu berauben: Pörksen durfte an seinem Roman weiterschreiben, und Hentig wurde beauftragt, dies über DIE ZEIT zu verbreiten, nein, hinauszu„posaunen“.

Wie man sieht, ist die einbildungskraftfördernde Erwartung aufgegangen.

Hartmut von Hentig