ARD, Sonntag, 24. Juli, 21.05 Uhr: „Operation Gomorrha, Hamburg im Feuersturm“, Film von Hans Brecht

Das Codewort spricht die Wahrheit aus. „Operation Gomorrha“ nannten die Briten ihre Bombardements, mit denen sie Hamburg im Juli 1943 versengten und verwüsteten. Am Ende waren 45 000 Menschen – fast ausschließlich Kinder, Frauen, Alte – verbrannt und erstickt, verschüttet und geschmolzen.

Wer die Hölle durchlebt hatte, konnte sich nicht vorstellen, daß der Krieg jetzt noch weitergehen würde. Doch Hamburg im Feuersturm – das war nichts anderes als der totale Krieg, wie ihn Joseph Goebbels, dessen triumphierender Interpret, kurz zuvor heraufbeschworen hatte. Und er war die Antwort auf the blitz über Coventry, Birmingham und Liverpool. Fast drei Jahre dauerte es, bis dafür grauenvolle Rache genommen werden konnte; die Gewißheit, daß die Zeit kommen werde, hatte die britische Moral gestärkt.

Es war Sir Arthur Harris – genannt „Bomber-Harris“ oder auch „der Schlächter“ –, der die Vergeltung zu seinem Lebenswerk erkor. Von ihm stammte die Idee, nicht die Hamburger Werften und Industrieanlagen in Schutt und Asche zu legen, sondern die Wohnviertel in der Weststadt auszubrennen. Dies war die Kriegsphilosophie: Versetzt in Angst und Schrecken würden die deutschen Arbeiter die Kriegsmaschine nicht mehr wie geölt laufen lassen.

Es war aber auch der Privatkrieg des Oberluftmarschalls gegen die Konkurrenz zu Lande und zur See. Harris gedachte mit aller Macht zu beweisen, daß es keiner Invasion bedürfe, weil seine Geschwader den Krieg allein entscheiden könnten. Da tat Effizienz not, und kein Mittel konnte unrecht sein. „Bomber-Harris“ kurz vor dem Inferno an die deutschen Zivilisten: „Ihr habt keine Chance. Bald kommen wir jede Nacht...“

Hans Brecht läßt den Wahnsinn hier und den Wahnsinn dort für sich sprechen. Er arbeitet mit alten deutschen und britischen Wochenschauen, die getreulich und mit ungezügeltem Triumph von der „Hölle da unten“ schwärmen. Eine Chronik der Ereignisse, vierzig Jahre danach gekonnt komponiert, nie aufdringlich und immer melancholisch.

Heiß war der Juli 1943. Die einfachen Hanseaten im reichen Hamburg breiteten sich in ihren Schrebergärten aus oder gingen ins Kino; ein Zirkus gastierte in Wandsbek, und die Volksoper spielte den „Zigeunerbaron“. Drüben in den britischen Fliegerhorsten an der Kanalküste machten derweil die Elektriker und Waffenmeister die 800 Maschinen klar, die dazu bestimmt waren, den Tod über Hamburg zu bringen („beautiful bombs“ sagt die Wochenschau). Am Tag danach ging die Sonne über der Elbe nicht auf. Stärker als sie war der finstere Qualm der Stärker