Hörenswert

Johannes Brahms: "Deutsche Volkslieder." Immer, wenn Opern- und Konzertsänger sich in Volkslieder versenken, muß man bangen: Machen sie Arien und Kunstlieder daraus? Beuten Sie die einfache Kunst mit viel zu großer Stimme aus? Oder biedern sie sich an und machen die Lieder stumpf? Welche fröhliche Überraschung also, dem Stuttgarter Bariton Georg Jeldei zuzuhören, Wenn er diese dreiundzwanzig Brahmsschen Volkslieder singt und seine Begleiter – Hans Dieter Wagner und Karl Heinz Lautner – die "allerlei Feinheiten im Klavier" (die Brahms in einem Brief erwähnt! akkurat, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit wiedergeben. Jelden begegnet den Liedern zwar mit Würde: Er nimmt ihre Botschaft ernst; aber er läßt ihnen ihre (kunstvolle) Einfachheit. Er setzt seine Betonungen mit Verstand und läßt die Gefühle, von denen er singt, spüren – aber mit eben der winzigen Distanz die sie vor der Sentimentalität bewahrt, und vor der Banalität auch. So fällt kaum auf, daß das Klavier in dieser Aufnahme ein bißchen plüschig klingt. (Calig-Verlag, München, CAL 30 822) Manfred Sack

Johnny Ode "The New Johnny Otis Show (Will Shuggie Otis)". Der Mann, der einige der größtes Blues- und Rock ’n’ Roll-Sänger wie Jackie Wilson, Etta James und Esther Phillips entdeckt hat und von den der beste Song aus Eric Claptons letztem Album stammt, feiert doch noch ein bemerkenswertes Comeback. Zehn Jahre lang hatte sich der "Godfather of Rhythm & Blues" vom Showbusiness zurückgezogen, um als Pastor in der Landmark Community Church nur noch zu Ehren des Herrn zu singen. Die neue Platte des R & B-Pioniers ist, wie so viele seiner früheren, eine exemplarische Lektion in Sachen schwarzer Populärmusik: eine, durchaus altmodische Blues-Gospel-Soul-Revue mit all jenen Elementen, die parallel auch Ray Charles einem weißen Publikum nahezubringen verstanden hatte. Wenn es einen "Star" bei dieser Produktion gibt, dann ist das Gitarrist Otis jr., mit seines knapp dreißig Jahren selbst schon ein Veteran. Johnny Otis’ größte Entdeckung allerdings ist Charles Williams, ein schwarzer Tenor mit "klassischer" Soul-Stimme, der das Zeug dazu hätte, der Sam Cooke der achtziger Jahre zu werden. Das Duett, das er bei "Jonella and Jack" mit Linda Dorsey singt, erinnert an niemanden so sehr wie an die von Otis Redding und Carla Thomas gesungene "Tramp"-Hymne von 1967, die Johnny Otishier eindeutig als Inspirationsquelle diente. (Sonet/Intercord Import INT 198.216) Franz Schöler