Der neue Generalinspekteur Wolfgang Altenburg: Mit Selbstvertrauen an die harten Brocken

Von Christoph Bertram

Ein paar Augenblicke lang hatte es so ausgesehen, als ob der Machtwechsel in Bonn die Bestallung von Wolfgang Altenburg zum Generalinspekteur der Bundeswehr aufhalten könnte. Aber wie schon der SPD-Minister Hans Apel, so kam auch der CDU-Minister Manfred Wörner zu dem Schluß, daß Altenburg die einzig richtige Wahl war.

"Es gibt keinen besseren", sagen einmütig die mit dem militärischen Führungstalent in der Bundesrepublik Vertrauten. Wolfgang Altenburg – gerade 55 Jahre alt – ist bewußt und zielstrebig herangezogen, gefördert und befördert worden. Wie kaum ein anderer hat er Erfahrung in der Praxis des Truppendienstes, in der Militärbürokratie des Ministenums und in der Militärdiplomatie des Bündnisses. Lange Jahre gehörte er als führender deutscher Fachmann für Sicherheitspolitik zu der kleinen, aber feinen Mafia der Atlantischen "Nukleartheologen" – jener Gruppe von Offizieren und Beamten, die in den wichtigsten Hauptstädten des Bündnisses atomare Planung betreiben. Altenburg, so ein früherer Kollege, kennt die entsprechenden Resolutionen und Richtlinien auswendig "wie andere die Ilias". Jüngere Untergebene, die ihn im Truppendienst erlebten, sprechen mit Anerkennung von ihm: Er ist ein menschlich offener, zugänglicher Vorgesetzter, der den Abstand des Ranges durch Informalität zu verringern weiß. Im Ministerium, selbst bei den Teilstreitkräften, die eifersüchtig auf ihren Einfluß wachen, kommt der Heeresgeneral ebenfalls gut an.

So viel positives Profil könnte schon ein bißchen mißtrauisch machen. Kaum einer seiner Vorgänger verstand es, sich nach innen und nach außen so attraktiv zu präsentieren. Er hat eben, meint ein weniger hochgewachsener ehemaliger Generalskamerad, "den Vorteil der Körpergröße und des Händedrucks".

Vor allem hat es Wolfgang Altenburg verstanden, sich den Ruf eines denkenden Generals zu verschaffen. Denn er kann das, was jeweils in der Luft liegt, artikulieren, als Konzept anbieten und mit Verve vertreten – auch wenn es sich nicht immer mit dem deckt, was er früher einmal mit ebensolchem Geschick vortrug. Anfang der sechziger Jahre, als junger Kommandeur eines Artilleriebataillons, das für den nuklearen Einsatz vorgesehen war, bezeichnete er sich stolz als "Atomartillerist". In den siebziger Jahren gehörte er zu jenen, die mit der Forderung, die Abschreckung müsse sich auf ein lückenloses Spektrum von atomaren Einsatzmitteln stützen, das intellektuelle Fundament für die Nachrüstung legten. Heute setzt er sich für eine Verstärkung der konventionellen Verteidigung ein: "Die Russen beeindruckt nicht, wenn wir sagen, wenn du jetzt nicht aufhörst, mache ich mich tot."

Diese gedankliche Beweglichkeit hat Wolfgang Altenburg gelegentlich den Verdacht eingebracht, er sei jemand, der sich der jeweiligen Strömung anpassen könne. Aber richtiger ist wohl: Altenburg ist ein Produkt der Bundeswehr, der den Krieg nicht mehr als Soldat erlebte; der Zögling einer Abschreckungsarmee – ein Manager, Kein Haudegen.